Aschau – Rosa Maria Seidls Werke sind derzeit im Foyer des Aschauer Rathauses bis Ende September zu sehen. Auf den ersten Blick bieten sich dem Zuschauer 35 Bilder, darunter Herbstwälder, Berg- und Wasserbilder, Blumen, abstrakte und naive Kunst sowie Porträts. Viele Stilrichtungen, unterschiedlichste Techniken, und doch fallen die Farben und Rot und Grün auf.
„Der Betrachter soll die Möglichkeit bekommen, in dem Bild weiter zu träumen. Es soll ihn ansprechen und vielleicht sogar seine eigenen Erinnerungen wachrufen“, sagt Seidl über ihre Bilder. Leben kann sie vom Malen nicht, hat aber bereits einige Ausstellungen bestritten. Die Heimatzeitung ging mit der Künstlerin auf Streifzug durch die Ausstellung, die zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen ist.
Ihre Bilder sind abstrakt bis gegenständlich – wollen Sie sich nicht auf eine Stilrichtung festlegen? Auch nicht auf eine bestimmte Technik?
Seidl: Ich schweife in meinen Bildern ab und interpretiere meine innere Stimme und meine Erinnerungen. Manchmal habe ich kleine Skizzen gefertigt, manchmal aber auch nicht. Und da ich erst zu Hause male, entstehen neue Wirklichkeiten. Beim Bild „Sehnsucht nach Frühling“ im Foyer beispielsweise habe ich mit Quark, Ei und Pastellkreide gearbeitet – da lässt sich wunderbar Farbe miteinarbeiten. Tusche verwende ich auch gerne, damit lassen sich feingliedrige Äderchen eines Blattes wie beispielsweise im Bild „Tautropfen“ darstellen. Beim Bild „In Lila“ habe ich mit Nagellackentferner, Acrylfarbe und weißer Tusche gearbeitet.
Sie gehen einem Beruf nach und haben erst relativ spät an der Leonardo-Kunstakademie in Salzburg studiert. Dazu haben Sie eine große Familie. Hört sich danach an, als müssten Sie so einiges unter einen Hut bringen…
Seidl: Ich habe mein Leben lang schon gern gemalt, aber erst vor gut zehn Jahren entstand dank eines Kunststudiums der malerische Mut zu Mehr. An der Akademie durfte ich die verschiedensten Stile und Techniken kennenlernen und ausprobieren. Und doch bin ich Realistin genug, um zu sehen, was ich bisher erreicht habe. Mein Atelier befindet sich im Souterrain, ich fertige die Bilderrahmen selbst. Ich hatte schon 25 Ausstellungen, von Bad Aibling über Rosenheim und Traunstein bis nach Schloß Mattsee bei Salzburg und Cavaion am Gardasee, aber allein vom Verkauf meiner Bilder könnte ich nicht leben.
Wenn Sie Ihre Erlebnisse in Ihren Bildern festhalten, haben Sie dann nicht das Gefühl, zu viel von sich selbst preiszugeben?
Seidl: Ich male aus Leidenschaft und aus meinen Erinnerungen. Das Bild „Versöhnung“ im Foyer ist eine Menschlichkeitsstudie, meine Naturbilder hingegen sind Beobachtungen. Dadurch, dass ich meine Erinnerungen malerisch aufzeichne, reproduziere ich nicht die Wirklichkeit, sondern schaffe neue Wirklichkeiten.
INterview: Elisabeth Kirchner