Ein Leben zwischen Angst und Liebe

von Redaktion

Viktoria Schwengers biografischer Roman über eine junge Norwegerin, die sich im Krieg in einen deutschen Soldaten verliebt

„Morild“ ist das norwegische Wort für „Meeresleuchten“ und der Name einer außergewöhnlichen Frau, die im Januar 2020 ihren 100. Geburtstag feiert. Der Rosenheimer Verleger Klaus G. Förg hatte die lange Zeit in Bruckmühl lebende Morild Nirschl in seinem Zeitzeugenbuch „Irgendwie überlebt“ zu Wort kommen lassen. Dadurch angeregt hat nun die durch biografische Heimatromane bekannt gewordene Autorin Viktoria Schwenger die abenteuerliche und ergreifende Lebensgeschichte der Norwegerin aufgegriffen und aus Nirschls Perspektive in Form eines biografischen Romans für ein breites Publikum erzählt.

1920 in dem kleinen Ort Alesund geboren und in Trondheim und Oslo aufgewachsen, verbringt Morild mit ihren Eltern und zwei Schwestern eine glückliche Kindheit und Jugend, bis zum 9. April 1940: „An diesem Tag besetzte die deutsche Wehrmacht Norwegen, und unser Leben änderte sich dramatisch.“

Morilds Vater wird als Mitglied der Arbeiterpartei und der Gewerkschaft von den Nazis schikaniert. Trotzdem verliebt sich Morild in den deutschen Wehrmachtssoldaten Max Nirschl. Die Probleme, die sich für das junge Mädchen ergeben, das die Beziehung nicht lange geheim halten kann, werden in Schwengers Roman spannend gestaltet.

Bald wird Morild von vielen als „Deutschenflittchen“ abgestempelt. Auf der anderen Seite lebt die Familie ständig in Angst, da die Gestapo hinter dem Vater her ist, der sich versteckt halten muss. In diesem Zusammenhang wird Morilds Mutter in ein Konzentrationslager gesteckt und die Lebensumstände werden immer bedrückender für die Familie. Für Morild ist es ein Dasein zwischen Angst und Liebe. Schließlich kommt eine Tochter, die Morild wegen des deutschen Vaters nur in einem sogenannten „Lebensbornheim“ zur Welt bringen kann. 1943 heiraten Morild und Max unter widrigen Umständen, denn die Mutter ist zwar aus dem KZ entlassen worden, aber der Vater hält sich noch immer unter Lebensgefahr versteckt. Dazu kommt die ständige Überwachung der Familie durch die Gestapo.

Zwischen all den Ereignissen erfährt der Leser stets auch den zeitgeschichtlichen Zusammenhang, den die Verfasserin genau recherchiert hat: Fliegerangriffe, die Zerstörung des deutschen Kriegsschiffes „Tirpitz“ und die Niederlage bei Stalingrad stehen dem deutschen Terror und der rücksichtslosen Besatzungspolitik der Nazis gegenüber.

Um den Repressalien zu entgehen, wird Morild mit ihrer kleinen Tochter Maxie auf eine Odyssee nach Deutschland zu Max‘ Familie geschickt und kommt 1943 in Bruckmühl an. Der letzte Teil des Buches schildert die chaotischen Zustände gegen Kriegsende, das Zusammenleben mit Familie und Flüchtlingen auf engstem Raum, die Entbehrungen der Nachkriegszeit und das bange Warten auf die Heimkehr von Max aus der Kriegsgefangenschaft. Der glückliche Ausgang mit Max‘ Rückkehr und der Geburt zweier weiterer Töchter lässt beim Leser einen positiven Eindruck zurück.