Chiemsee – Die Galerie Gailer auf der Fraueninsel im Chiemsee zeigt derzeit in der Torhalle des Klosters Frauenchiemsee eine Vielfalt an Plastiken zum 100. Geburtstag der Künstlerin Marianne Lüdicke, die 2012 in Marquartstein verstarb, und gewährt damit Einblicke in ihr umfangreiches künstlerisches Schaffen.
Die Figuren sind einzeln, paarweise und in Gruppen angeordnet. Es wohnt ihnen eine stille Würde inne. Das „Mädchen im Grünen“ und die Plastik „Zwei stehende Mädchen“ haben eine ruhige und harmonische Ausstrahlung. Formvollendet präsentiert sich der „Lebenskünstler“. Ein „Kranich“ positioniert sich ebenso gut wie ein „Schwarzer Gockel“. Anmutig zeigen sich die „Mutter mit Kind, sitzend“ und die „Badende“. Das „Mädchen, umschauend“ wirkt durch die lebendig bewegte Oberfläche und „Miteinander, groß“ stellt zwei Figuren dar, die Ruhe, Kraft und Frieden ausstrahlen.
Ihre Ausbildung zur Bildhauerin begann Marianne Lüdicke 1938 in der Kunstschule Wilhelm Georg Maxon in München. Maxon vermittelte der jungen Künstlerin eine umfassende Kenntnis aller künstlerischen Strömungen. Ihre Arbeiten konstituierten sich aus ihrer eigenen Wahrnehmung und den vielen Eindrücken auf ihren Reisen. Marianne Lüdicke nahm 1939, zu Kriegsbeginn, ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste zu München auf. Der Krieg begann sich erst nach und nach auf das Leben der jungen Künstlerin auszuwirken. Erst 1944, als Kunstschule und Akademie in Trümmern lagen, ergriff sie die Flucht an den Chiemsee. Hier fand sie eine einfache Unterkunft in Weisham bei Bernau – wo 1971 auch ihr einstiger Lehrmeister Maxon seinen Lebensabend verbrachte und verstarb.
Die Nachfrage nach künstlerischen Werken war damals gering; trotzdem ging sie ihrer Leidenschaft nach, grub in einem nahegelegenen Wald für ihre Werke Ton aus und formte unverwechselbare Unikate. Die fertigen Arbeiten wurden gebrannt, erlitten jedoch bei der hohen Hitze in den Brennöfen Brüche. Der Zementguss, den sie Anfang der 1950er-Jahre erlernt hatte, erwies sich als gute Alternative. Ab 1955 begann der langsame Übergang zum Bronzeguss, der jedoch viel aufwendiger in der Herstellung war. Die Plastiken sind von eigenwilliger Schönheit und laden den Besucher ein, innezuhalten, Formenvielfalt zu entdecken und die Kraft aus der Ruhe wirksam werden zu lassen.
Öffnungszeiten der Ausstellung, die noch bis zum 13. Oktober zu sehen ist: täglich von 11.15 Uhr bis 17 Uhr. fgl