Leuchtfeuer gegen einfache Antworten

von Redaktion

Kabarettist Michael Altinger stellt den zweiten Teil seiner Kabarett-Trilogie vor

Traunreut – Mit „Hell“ startete der Kabarettist Michael Altinger im Oktober 2016 die erste Kabarett-Trilogie. Zusammen mit seiner Ein-Mann-Band, Martin Julius Faber, führte er sein Publikum damals in eine neue Vision des „Seins“, des „Deins“ und „Meins“. Mit dem zweiten Teil gastiert Altinger am Samstag, 19. Oktober, um 20 Uhr in der Theaterfabrik Traunreut sowie am Freitag, 8. November, 20 Uhr, im Gymnasium Bad Aibling im Rahmen der Literaturtage.

Schlaglicht auf

die Verlogenheit

Im zweiten Teil sieht der BR-Schlachthof-Gastgeber noch klarer und zündet ab kommendem Oktober mit „Schlaglicht“ ein weiteres Leuchtfeuer gegen Verlogenheit und zu einfache Antworten. Wer den ersten Teil verpasst hat, findet trotzdem den Anschluss: Man muss ja auch kein Pferd geritten haben, um ein Auto zu fahren, um es mit Altinger zu sagen. Denn er hat alles parat, was man als Zuschauer wissen muss.

Und darum geht es: Beim Mann von heute ist Tapferkeit gefragt. Standhaft bekennt er sich zum Fünfklingennassrasierer, weigert sich aber beharrlich, Zahnseide zu benutzen. Im Männeryoga bearbeitet er die Haltungsschäden, die er sich beim Geburtsvorbereitungskurs zugezogen hat und bewegt sich erfolgreich auf der Sinnsuche, irgendwo zwischen Craftbeer-Seminaren und Grill-Kursen. Ab und zu weint er auch, damit ihn die Frauen sensibel und modern finden. Altinger schlachtet aus, wie die Deutschen dabei zusehen, wie niedrige Zinsen die eigene Altersvorsorge auffressen und sich zum Ausgleich schon mal lustvoll im Hier und Jetzt verschulden: „Der nächste Jesus stirbt dann halt nicht für unsere Schuld, sondern für unsere Schulden.“ Bis dahin posten wir weiter falsch geschriebene Speisekarten auf Instagram, damit sich der Leser für klüger halten kann als ein Dorfmetzger in Südtirol.

Und trotzdem wird alles gut. Denn der Altinger wird die Welt neu sortieren, uns an der Hand nehmen und sagen, dass wir richtig sind. Wir werden lachen, über uns und vor allem über die anderen. Denn die Realität wird erträglicher, wenn man sie neu erfindet, in einem Dorf, das die neue bayerische Bürgerlichkeit abbildet, wie kein zweiter Ort zwischen Donau und Chiemsee: Strunzenöd.

Über sein Programm sagte Altinger vergangenes Jahr zum Start des ersten Teils der Trilogie unserer Zeitung: „Es sind auch lockere Nummern drin, wo man die Leute am Alltag abholt, aber im Grunde ist es diesmal ein Kabarett-Theaterstück. Es ist mir auch wichtig, dass man den Leuten suggeriert, dass sie, wenn sie gut aufpassen, am Ende Dinge kapieren, die sie nur verstehen, wenn sie auch am Anfang aufgepasst haben.“ Und: es sei nicht leicht, die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums über rund zwei Stunden aufrecht zu erhalten („eine reizvolle Herausforderung“), weil das Publikum sich mittlerweile stark an den kurzweiligen Medienkonsum aus Internet und Co. gewöhnt habe. Es käme aber ein zunehmend jüngeres Publikum in seine Vorstellungen: „Kann sein, dass die gerade wieder mehr Bock haben, längere Geschichten anzuhören.“

Offenbar wollen sie auch die nachdenkliche, gesellschaftskritische Seite an Altinger hören. Den ärgert „diese Haltung der Leute, ,Ich schaue, was ich da für mich raushole‘. Und dabei lassen sie die Gemeinschaft völlig außer Acht. Es findet so eine Entsolidarisierung statt.“

Nicht umsonst bekommt Altinger im neuen Programm, wie er verrät, „Wahnsinnige Gewaltsfantasien.“ Und die Hölle male er sich aus als Ort, „um andere hinzuschicken.“

Karten für die Vorstellungen in Traunreut und Bad Aibling sind erhältlich bei Eventim und der Agentur Oberwasser, www.agentur-oberwasser.fairetickets.de.

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