Rosenheim – Start in die neue Konzertsaison im „Le Pirate“ am Ludwigsplatz: Bevor Pächter Wolfgang Lentner die Band „Shreefpunk“ präsentierte, kündigte er einige Neuerungen in der Programmstruktur des Musikclubs an. Sabine Bürger wird in Zukunft als Wirtin den Sonntag übernehmen, Lentner selbst den Freitag, an dem in Kooperation mit der Musikinitiative Rosenheim und dem Münchner Musiklabel Trikont junge regionale Bands auftreten sollen. Auch regelmäßige Sessions sind geplant. Dritte im Bunde wird ab Januar mittwochs die aus Rosenheim stammende Cellistin Fany Kammerlander sein, die in München die Konzerte in der Bar Gabanyi steuert.
Dann übernahm „Shreefpunk“ inklusive des Damentrios „Netnakisum“ die Bühne, jazzig und mit alpinem Sound – der ideale Übergang vom Herbstfest in die neue „Pirate“-Saison. Bandleader Matthias Schriefl überraschte im Leopardenkostüm anlässlich eines bandinternen Modewettbewerbs, und auch die anderen Bandmitglieder hatten sich etwas überlegt. Das Sextett startete mit traditionellen Stücken aus der Steiermark und aus Südtirol, jeweils eigenwillig interpretiert bis hin zu Ausflügen in den Freejazz und den Punk. Dann einer der Höhepunkte des Auftritts: Schriefl hatte zwar einige Platzprobleme zu bewältigen, aber er verschaffte seinem mächtigen Alphorn Raum und blies dieses rhythmisch wie ein Didgeridoo zu dem treibenden Tanzsound der Band und einem tollen eingängigen Grundthema.
Mit „Verhext“ gelang deeLinde eine pathetische Ballade, die schließlich wieder temporeich vom Ensemble gebrochen wurde. Auch hier leisteten Claudia Schwab und Marie-Theres Härtel ganze Arbeit an Violine und Viola. Seine Komposition „Birthday Party in Athens“ widmete Schriefl einem unerwarteten Gefängnisaufenthalt in Athen. Das nach und nach aufgaloppierende Stück erinnerte an Balkanmelodien und die traditionelle, griechische Rembetikomusik, mit fein gespieltem Bass (Alex Morsey) und Gitarre (Alex Eckert) im Hintergrund.
Mit diesen immer wieder innovativen Klangideen zeigte „Shreefpunk“, Träger des Neuen Deutschen Jazzpreises, ihr musikalisches Können. Dazu gehörte auch der flexible Wechsel an andere Instrumente, so tauschte Claudia Schwab kurzerhand ihre Violine gegen eine Trompete, zur Interpretation deeLindes von Zarah Leanders Lied „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“. Mit einem völlig skurril-überdrehten „Shreefpunk“-Song endete ein turbulentes Konzert, mit dem die Band den kleinen Club auch gegen Hörgewohnheiten gehörig aufmischte.