Marquartstein – „Musique in Aspik“ verzauberte auf Einladung der Konzertreihe Nightingale auf dem Hochgernhaus mit Neu-Interpretationen von Volksliedern aus aller Welt und mit den unterschiedlichsten Instrumenten das vom Tal heraufgewanderte Publikum. Im warmen Spätsommersonnenschein erklangen traditionelle Volkslieder wie „Heißa Kathreinerle“, „Horch was kommt von draußen rein“ oder „Hänschen klein.“
Dem Volksliedgut haftet heute ja oftmals der Ruf an, nicht mehr zeitgemäß zu sein oder sie werden verkitscht dargeboten. Umso schöner nun, dass die beiden Augsburger Künstler Petra Küfner und Markus Wangler diesen Poesie-reichen Schatz gehoben haben.
Ansprechend auch die Art und Weise, wie sie die teilweise über 500 Jahre alten Liedtexte mit kreativen Arrangements im Stil von Jazz, Funk und Blues oder Nina-Hagen-Rock interpretieren. Da geht es um Liebe, Leben und Tod, um die Natur und um die Freiheit – Themen, die auch heute noch bedeutsam sind. Und genauso schnell wie das Leben vorbeirauscht, so schnell wechselt das Duo die Tonart und die Stimmung. Vom melancholisch-düsteren „Es geht ein dunkel Wolk herein“ aus den Zeiten des dreißigjährigen Kriegs hin zum lebenslustigen „Zum Tanze, da geht ein Mädel.“ Belehrend das westukrainische Lied „Nussenbaum“, wenn der Nussbaum davon singt, dass er immer wieder neu austreiben kann, während die Ehre eines jungen Mädchens unrettbar verloren ist.
Philosophisch mutet das Lied „Die Gedanken sind frei“ an, das Petra Küfner aufs Feinsinnigste vorab mit dem Liedtext von Georg Danzer über die Freiheit versah. Die Freiheit ist demnach im Zoo in einem leeren Käfig ausgestellt, denn „man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg“. Aber auch auf Humor verstanden sich die beiden, seien es Gedichte von Joachim Ringelnatz oder Schüttelreime von Heinz Erhard.
Vielseitig auch die Auswahl der Instrumente: Gitarre, Ukulele, Tenor-Ukulele, Blockflöten, Teekessel, Wasserglas, singende Säge, Glockenspiel und Klanginstrumente wie ein hölzerner Frosch, eine Plastikente und ein Megafon waren die munter wechselnden instrumentalen Begleiter für den Gesang. Und so manches Mal war noch der Loop als dritter mit im Bunde, ein Aufnahmegerät, das aufgenommene Melodien abspielte, während Gitarrist Markus eine zusätzliche Melodie in echt hinzufügte.
Alte Lieder und Poesie, so war das Konzert überschrieben und so reichhaltig und inhaltlich interessant war auch das Programm – mutig, ausgefallen, ja das auch, aber auch Erinnerung daran, dass Volkslieder ein zu bewahrender Schatz sind, den es nicht zu vergessen gilt.