Aschau – „Wieder einmal können wir in dieser Galerie einen neuen, wunderbaren Maler entdecken, den uns Rudolph Distler präsentiert“, sagte der Kunsthistoriker Dr. Elmar Zorn bei der Vernissage der Bilderschau von Dirk Pleyer in den Galerieräumen des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau.
„Randseitig aufbrausend“
Dirk Pleyer hat der Ausstellung den Titel „Randseitig aufbrausend“ gegeben. Beim Betrachten der Bilder wird schnell klar, was der Künstler damit sagen möchte. Die Ränder der meisten Bilder sind nicht viereckig, sondern formieren wie verrutscht einen eigenen skulpturalen Umriss. Das Brausen wiederum ist eine malerische Komponente in Pleyers Kunst der Landschaftsmalerei. Wobei dies nicht der richtige Ausdruck ist. Zu sehen sind Wasser, Wolken, Berge und fantastische Lichtspiele.
Allein die Farben lassen auf landschaftsähnliche Gefüge schließen. Blau ist nicht gleich Blau. Da gibt es so viele verschiedene Arten von Blau, die auf Wasser oder auch auf Himmel schließen lassen. Das Wechselspiel zwischen Abstraktion und Bildern, die Landschaften ähneln, bewirkt, dass beim Betrachten und Vertiefen in die Bilder Erinnerungen an selbst Erlebtes wach werden.
Die Mischtechniken aus Öl, Acryl, Lacken und Kunstharzen scheinen wie „dahingeschmiert“, fein schattiert, weggekratzt, unterhöhlt, überhöht oder verschüttet zu sein und sind dennoch, allem trotzend, erhaben.
Dirk Pleyer sieht sich selbst als Renaissance-Mensch: „Wir sind heute dazu angehalten, uns auf eine Sache zu spezialisieren und darin besonders gut zu sein.“ Er selbst gibt sich mit der Malerei allein nicht zufrieden. Er macht Musik, schreibt, bringt Ideen in einen konzeptionellen Rahmen und transformiert sie in künstlerische Arbeiten. In der Malerei bringt er die Idee des Erhabenen zurück aufs Bild. Die Malerei sollte den Geist berühren.
Die in Hohenaschau gezeigten Arbeiten stammen aus der Zeit zwischen 2013 und heute. Ein großformatiges Bild im Erdgeschoss (Nr. 5) lässt mit etwas Fantasie einen Fisch erkennen; die Farben reichen von Grün über Blau zum Rot.
Alle anderen Bilder sind sehr viel homogener, wenn auch wilder. Nur gut, dass nur wenige mit einem Rahmen versehen sind. Die tosenden Wellen und wogenden Wolken verdienen es nicht, quasi „eingesperrt“ zu werden. Gut ist es ebenso, dass die Bilder keine Titel tragen. Deshalb muss der Betrachter seine eigene „Geschichte“ dazu erfinden. Die Bilder haben lediglich Nummern, je nach den Arbeiten der Werkreihe „Land über“ oder „Album“.
Die Formate reichen von großformatig (180 mal 140 Zentimeter) über mittelformatig bis kleinformatig. In den Räumen 1 und 4 haben sie Formate von 50 mal 60 Zentimeter bis 21 mal 21 Zentimeter. Sie wirken wie Gucklöcher, doch trotz des kleinen Formats sind – wie auf den größeren Bildern – spannende „Landschaften“ zusehen.
In der Tat sind alle Bilder theatralische Raum- und Naturerlebnisse. Manchmal glaubt der Betrachter, von den dynamischen Wellen mitgerissen zu werden. Dann wieder schaut er einfach nur aufs Meer, möchte immer nur darauf gucken und entdeckt dabei viel über sich selbst.
Das tut auch Dirk Pleyer, doch er will den Betrachter daran teilnehmen lassen. Mit ihm taucht der Ausstellungsbesucher ein in die Vielschichtigkeit der Malerei – formal und in ihrer Bedeutung. Und damit wird er mit sich selbst konfrontiert.
Seit zehn Jahren stellt Pleyer erfolgreich aus, von Nordrhein-Westfalen über Berlin oder Stuttgart bis ins österreichische Linz oder bei der „Scope“ der „Art Basel“. Und nun ist er endlich in Hohenaschau angekommen.