Pold und Point im Ortsnamen

von Redaktion

Bairisch sprechende Menschen erkennen auf Anhieb zugleich die Problematik und den Reiz, der sich im Titel dieser Folge verbirgt: Die Begriffe Pold und Point, die in unseren Ortsnamen vorkommen, heißen auf Boarisch beide Male „Booid“! Langes, geschlossenes, leicht nasaliertes o, kein kurzes offenes o wie in „boid“ = bald.

„Die“ Point ist im Bairischen kein männlicher Point. Letzterer entstammt dem sächlichen lateinischen Wort „punctum“, das ursprünglich Stich, später Punkt bedeutete und über zuerst französisch, dann englisch „point“ ins Deutsche – mit männlichem Geschlecht – übernommen worden ist. Man vergleiche die Begriffe „der“ Infopoint oder „der“ Servicepoint.

Nein, eine bairische Point ist, wie Hans Meixner in „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ schreibt, ein „durch Umzäunung ausgeschiedenes Stück Land mit den dazu gehörigen Wohngebäuden“. Der Begriff Point entstamme, so Meixner, althochdeutsch biunta oder piunta.

Keinen weiteren Zusatz hat Point bei Greimharting, das im 15. und 16. Jahrhundert noch als pewnnt geschrieben wurde.

Ein regelrecht sprechender Name ist Garnpoint bei Rimsting. Hier ist die Spitze des germanischen Gers im Namen gelandet, womit ein „keilförmiges Stück Land“ (Meixner) bezeichnet worden ist.

Haberspoint bei Prutting hat laut Meixner wohl den Personennamen Hawart im Namen, vergleichbar mit Habersdorf.

Kindlpoint bei Rimsting ist nicht auf eine Art früher Kindergarten zurückzuführen, sondern auf den weiblichen Personennamen Gundhilt, wie die alte Schreibung Gündelpewnt es nahelegt. Und Wolfspoint bei Rohrdorf hat nicht den Wolf im Namen, sondern den Personennamen des Besitzers der dortigen Piunta.

Östlich von Litzldorf, am Fuße des Sulzbergs, liegen die beiden Einödhöfe Unter- und Oberulpoint. Es fällt einigermaßen schwer, sich dort ebenfalls ein „durch Umzäunung ausgeschiedenes Stück Land“ vorzustellen.

Und tatsächlich: Hans Meixner stellte hier eine sogenannte Umbildung fest. Der Namenforscher bringt hier die alten Schreibungen Niderudelpoltis, Udelpolts, Odulpoltingen ins Spiel. Ulpoint habe daher die gleiche Umbildung erlitten wie Irlpoint bei Trostberg: Diesem liege der Personenname Irminpolt zugrunde, Ulpoint der Personenname Uodalpolt. Hier hat sicherlich die gleiche Aussprache von Polt und Point als „Booid“ die ausschlaggebende Rolle gespielt!

Was bedeutet aber „Pold“/„Polt“ bei „Ualbooid“? In Frage kommt der von Namen wie Leopold oder Luitpold her bekannte Bestandteil -pold. Dieser bedeutete in althochdeutscher Zeit, geschrieben als -bald, „der Kühne, Starke“. Ob sich Gerhard Polt damit angesprochen fühlt?

Daneben gibt es aber noch den Flurnamen Pold oder Bold, wie er im Weiler Brainpold vorkommt. Nikolaus Bernrieder aus dem nahen Lippertskirchen gibt die richtige Aussprache bekannt: „Breibooid“. Früher gab es dort nur einen Hof, den „Breibooider“, seit gut 30 Jahren auch den „Brainpoldhof“, den hierzulande sehr bekannten Pferdezucht- und Ausbildungsstall Karosser. In diesem Falle heißt Pold „hügeliges Gelände“. Bei einem wohlwollenden Blick auf die Flur „Am Brainpold“ stimmt das auch!Armin Höfer

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