Mit Intensität und Dynamik

von Redaktion

Schlosskonzerte Neubeuern Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen eröffnen die neue Saison

Neubeuern – Der erste Abend der Neubeurer Konzertsaison 2019/20120 stand ganz im Zeichen russischer Komponisten. Marie-Elisabeth Hecker (Violoncello) und Martin Helmchen (Klavier) gestalteten ein faszinierendes, vom Publikum umjubeltes Programm mit Werken von Igor Strawinsky, Dmitri Schostakowitsch, Sergej Rachmaninow und Alfred Schnittke.

Mit der „Suite Italienne“ hat Strawinsky aus dem „Pulcinella“-Ballett nach der Musik Pergolesis für Cello und Klavier fünf Sätze zusammengefasst. In dieser Suite zeigt sich zugleich die schöpferische Kraft und geistige Universalität des Komponisten. Die melodische Introduzione, die ernste Serenata, in der Hecker ihrem Cello dunkel herbe Klänge entlockte, und die rhythmische Aria bannten die Hörer bis zum letzten Takt. Auf harte Rhythmen und vibrierende Töne folgten, wie in der Tarantella, melodisch gebrochene, effektvolle Passagen, die das Duo mit einer unglaublichen Intensität und Dynamik zu Gehör brachte. Nach dem energisch vorgetragenen, lebhaften Minuetto e Finale erhielten Hecker und Helmchen vom Publikum begeisterten Beifall.

Die beiden Themen des ersten Satzes in Schostakowitschs Sonate für Violoncello und Klavier in d-Moll op. 40 sind von der russischen Folklore inspiriert. Hecker und Helmchen gelang bereits im Allegro non troppo ein perfekt aufeinander abgestimmtes harmonisches Zusammenspiel. Ergreifend war das innige Selbstgespräch des Cellos mit eingestreuten zarten Pizzicati.

Wild und exzentrisch erklang das Allegro, ruhig und getragen das Largo, das beide Musiker mit großem Atem gestalteten. Im abschließenden Allegro begann zunächst das Klavier, das bald vom Cello sanft umschmeichelt wurde. Stakkatierende Tonfolgen steigerten sich schließlich zu einem fulminanten, die Hörer elektrisierenden Finale.

Melodramatischen Klangzauber verströmte das Andante aus der Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll op. 19 von Sergej Rachmaninow. Marie-Elisabeth Hecker spielte den ausladenden Satz oft mit geschlossenen Augen und ließ die Töne immer wieder leicht zitternd ausklingen. Auf ihrem Instrument stimmte sie einen berückenden elegischen Gesang an, der vom Klavier dezent begleitet wurde.

Expressiver musikalischer Höhepunkt des Abends war die Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 von Alfred Schnittke. Die drei ineinander übergehenden Sätze mit ihren kontrastreichen Klangstilen erinnerten mal wegen ihrer maschinenhaften Rhythmik an Schostakowitsch, mal an die Musik aus Psychothrillern von Alfred Hitchcock.

Im Largo erzeugte Marie-Elisabeth Hecker ein unter die Haut gehendes insektenartiges Summen, im Presto faszinierten die harten, monotonen Einschübe des Klaviers. Für die grandiose Interpretation der Sonate bedankte sich das Publikum bei den beiden Musikern mit lang anhaltenden, enthusiastischen Ovationen.

Artikel 2 von 11