In Moll getaucht, aber nicht moll-gefärbt

von Redaktion

Ein mitreißendes Konzert des Trio Marcato in Stephanskirchen

Stephanskirchen – Der Name „Trio Marcato“, den sich die drei jungen Musiker gegeben haben, leitet sich sowohl von ihren Namen ab (Marita Hörberg, Violine, Katarina Schmidt, Cello, Thomas Schuch, Klavier) als auch von ihrer Spielweise: Energisch-entschlossen, also durchaus „marcato“, gehen sie ans Werk. Von Leidenschaft, Dramatik und Pathos ist ihr Programm geprägt, das sie auf einer kleinen Tournee von Rosenheim (im Ignaz-Günther-Gymnasium, das Marita Hörberg und Thomas Schuch besucht haben) über Stephanskirchen (im Antretter-Saal) bis Grassau (dort in der Sawallisch-Villa) präsentierten. Und ganz in Moll getaucht: Das Trio op. 1/3 von Ludwig van Beethoven und das Trio Nr. 2 von Felix Mendelssohn Bartholdy stehen im dramatischen c-Moll, das Trio Élégiaque von Sergej Rachmaninov in g-Moll. Doch moll-gefärbt ist ihre Spielweise nicht:

Nicht suchend oder fragend beginnen sie das Beethoven-Trio, sondern schon wissend-selbstbewusst, und schnell stürzen sie sich mit Wonne in Beethovens Motiv-Wütigkeit, die Satzbezeichnung „con brio“, also mit feurigem Schwung, herausstreichend. Sehr schön ausgearbeitet sind die Übergänge ins lyrische Seitenthema, mit Lust genießen sie die oft überfallartigen Einsätze des Hauptthemas und mit Freude an der musikalischen Struktur nehmen sie jedes Mal den im Thema einkomponierten aufwärtsstrebenden Schwung mit.

Schon da erkennt man, wie gut aufeinander eingespielt die drei jungen Musiker sind: Mit Blicken, Kopfnicken und körperlichen Gesten kommunizieren sie untereinander, Energie fließt ausgewogen aus allen dreien, und ausgewogen ist ihr Klang: der vollströmende geradezu rhetorische Ton des Cellos, die kunstvoll kontrollierte und nuancenreiche Emphase der Geige und das energiesprudelnd-perlende Spiel des Klaviers.

Und ausgewogen ist auch ihre Interpretation: Kein Satz dieses Trios dominiert. Das schlicht liedhafte Variationsthema des Andante spielen die drei auch liedhaft schlicht und reichen es sich variierend weiter. Kauziger Witz herrscht im Scherzo, das viel von der Spiel-Energie des Klaviers lebt, und motorisch bewegt und erregt bis zur Prestissimo-Raserei ist das Finale.

Mit leidenschaftlichem Ansturm, Energie und Feuer gehen sie an das Mendelssohn-Trio heran. Das Andante könnte man sich als Kontrast noch ein bisschen langsamer, aussingender vorstellen, doch schön klingt er in seiner strömenden Kantabilität. Der „Elfenspuk“ des Scherzos zieht in flirrend-wirbelnder Tanzlust vorbei und tänzerisch nehmen die drei auch das Thema des Finales. Den von Mendelssohn eingefügten Choral lassen die jungen Musiker wie von selber auftauchen, führen ihn dann aber zu einem strahlenden Schlusstriumph: All dies hat bewusst durchdachte Gestaltung.

Mittendrin zeigt das Trio, dass es auch das spätromantische, üppig-plüschige Pathos beherrscht. Bei Rachmaninov schwelgen die Musiker – insbesondere das Cello – in den heftigen Gefühlsaufwallungen des mit großer Geste auftrumpfenden 19-jährigen Komponisten. Mit Freude erwarten wir weitere Konzerte dieses jungen Ensembles – es gibt noch viele Trios, die sie für sich entdecken und für uns neu erwecken können.

Artikel 10 von 11