Wasserburg – „Kunst ist, oder auch nicht. Kunst muss man sich denken.“ Ein Ausspruch von C.A. Wasserburger, der der Nachwelt nach seinem Tod geblieben ist. Der große Zweifler schaffte es Klopapierrollen, Innsand, Knochen, sexualisierte Engel und etwa Wein auf Büttenpapier so zu installieren, in Szene zu setzen, dass der Betrachter gefangen ist in einer Mischung aus Unverständnis, Kopfschütteln, Faszination und Bewunderung.
Menschliche Zähne und das Abendmahl?
Sind das menschliche Zähne verschmolzen in Glas – ist das das letzte Abendmahl? Warum war der Mann dauernd nackt? Wieso war er so düster und dann wieder so kindlich verspielt? Was würde Freud dazu sagen? Und wie prägte Georges Batailles „obszönes Werk“ und dessen Auseinandersetzung mit Angst und Angstlust das künstlerische Schaffen des C.A. Wasserburger? Die Fragen bleiben offen. Seine Tagebücher, die sie beantworten könnten, sind in einen Eisenkäfig eingesperrt. Hart ins Gericht soll er mit so manchem gegangen sein, hat Böses und Intimes dort festgehalten.
Die Ausstellung „Hinterlassenschaft“, die noch bis zum 27. Oktober im Ganserhaus zu sehen ist, ist eine Art Nachruf auf die ungewöhnliche Künstlerpersönlichkeit – und sein Alter Ego Alexander Hatzl.
Provokant, bizarr und exzentrisch waren sein Leben und sein Werk. Wie auch die Vernissage, die mit einer Prozession mit bekränzten Menschen vom Skulpturenweg am Inn, in Begleitung der Kirchdorfer Blaskapelle zum Marienplatz, schritt, um dort eine Performance mit Percussion und Kreissäge darzubringen.
Silvia Hatzl, die Tochter des Künstlers, die die Ausstellung gemeinsam mit Katrin Meindl, Zweite Vorsitzende des AK68 kuratiert hat, verwandelte die Kreissäge in ein Instrument und performte eine Stunde lang vor dem Rathaus. Sie traktierte Holzscheite mit dem unerbittlich kreischenden Sägeblatt, entlockte ihm gonghafte Wehklagelaute, virtuos begleitet von Bernd Kremling am Schlagwerk. Der Direktor der Akademie für Musikpädagogik der Universität Würzburg hat das Stück komponiert – und früher schon Vergleichbares gemeinsam mit C.A. Wasserburger und dessen Tochter Silvia präsentiert.
Unbezahlbar der Blick der tapferen Blasmusiker aus Kirchdorf, die ausharrten und nicht so recht wussten, wo sie da hineingeraten sind. Die irritierten Blicke der Passanten ergänzten die Szenerie.
Im Hinblick auf die „Hinterlassenschaft“ sagte Katrin Meindl, wenn jemand stirbt, lasse er etwas hinter sich – und die Hinterbliebenen hätten etwas. Etwas, worüber sie rätseln könnten. Davon gibt es im Ganserhaus etliches zu sehen. Im Keller etwa läuft ein Beamer und zeigt den Künstler wie im Wahn oder fast infantil mit Holzschiffen agierend, die in einer anderen, düsteren Installation im Obergeschoss zu sehen sind. „Schwarz sehen – Schiffe ohne Hoffnung“… heißt das raumfüllende Werk, das einen sofort an Charon und des Styx denken lässt, den Fährmann, der die Toten über den Fluss denkt. Oder an die Bootsflüchtlinge, die heute den Weg übers Meer suchen und nie ankommen.
Und die Ausstellung endet mit dem symbolischen Tod des Künstlers, einer Säule, die an seinen Grabstein erinnert. Sein letzter unerfüllt gebliebener Wunsch war es, die Inschrift „Nichts“ dort anzubringen. Nur das.