Rosenheim – „Schwammerlkopf“, „Haumdaucha“, „Grattler“ und „runterkemane Bettwanzn“ – die aktuelle Inszenierung des Theaters Rosenheim strotzt nur so vor fantasievollen, bayerischen Kraftausdrücken. Das kommt beim Publikum an. Selbst „Zuagroaste“ amüsierten sich bei der Premiere des „Pfennigfuchser“ prächtig und belohnten das Ensemble nach einem kurzweiligen und unterhaltsamen Abend mit begeistertem Applaus.
Als Jean-Baptise Poquelin, besser bekannt als Molière, Ende des 17. Jahrhunderts im Frankreich des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. seine Komödie „Der Geizige“ schrieb, war das Kleinkrämerische zumindest beim höfischen Publikum noch verpönt. Es erfreute sich daran, dass das Stück bürgerliche Habgier verspottet.
Komisches
und Bitteres
Bei aller Komik hat Molières Charakterstück aber auch etwas Bitteres. Er hielt seinen Zeitgenossen einen Spiegel vor. Seine Botschaft blieb über die Zeit hinweg aktuell – Geld allein macht nicht glücklich! Darum wird „Der Geizige“ auch heute noch oft und gern in den unterschiedlichsten Fassungen und Mundarten gespielt. Schriftsteller Thaddäus Troll transportierte die Handlung ins Jahr 1875 und nach Stuttgart. Horst Rankl, Vorstand des Theater Rosenheim, war von Trolls Bearbeitung in schwäbischer Mundart so fasziniert, dass er sie im Jahr 2006 ins Bairische übertrug und die Geschehnisse nach Rosenheim verlegte. Das Theater Rosenheim feierte damals mit seiner speziellen Fassung einen großen Erfolg. 13 Jahre später schien es Horst Rankl nun an der Zeit, dieses Stück erneut auf die Bühne zu bringen.
Für die Neuauflage des „Pfennigfuchser“ übernimmt Rankl neben seiner Tätigkeit als Regisseur auch eine Hauptrolle. Er mimt den krankhaft geizigen und gierigen Fabrikanten Karl Knauser, der seine Kinder an der kurzen Leine hält und ihnen jeden Wunsch mit Freude ausschlägt.
Bei der Premiere im kleinen Saal des Kultur- und Kongresszentrums Rosenheim präsentierte Rankl sich in schauspielerischer Höchstform. Gramgebeugt, schwerfällig schlürfte er über die Bühne, wand sich vor Schmerz, wenn ihm jemand an seinen Geldbeutel wollte und beleidigt jeden und alles mit derben bayerischen Schimpfwörtern.
Seine Rolle und seine jahrzehntelange Erfahrung machen Rankl zu der dominanten Gestalt auf der Bühne. Die anderen Mitglieder des Ensembles können sich dennoch schauspielerisch behaupten: Doris Anner brilliert in der Figur der schrulligen Schmuserin Theres, die den alten Geizhals mit der jungen und schönen Marianne (Elisabeth Pangerl) verkuppeln will. Für viele Lacher im Publikum sorgen auch Peter Schlosser als leidensfähiger und hinterlistiger Hausknecht, der weltmännische und charmante Eugen (Albert Schmidseder), der sich bei Knauser einschleimt, um so dessen Tochter Lieserl (Julia Zäch) heiraten zu können, der gewiefte Geldverleiher Guldenreich (Hans Veit), das aufmüpfige Dienstmädchen Sopherl (Iris Obermeier), der dienstbeflissene Kommissar Emil Fragner (Willi Müller) und der steinreiche Fabrikant Otto Fleischhauer (Franz Zäch).
Die turbulente Spielweise in bayerischer Mundart verlangt gerade den jüngeren Mitgliedern des Ensembles, wie Pascal Stucky als Knausers Sohn Heiner, einiges ab. Sie alle meistern ihre Rollen mit großer Spielfreude.
Der Fokus der Inszenierung liegt auf den Dialogen. Das Bühnenbild beschränkt sich auf eine Tür, eine Garderobe und zwei Stühlen und ordnet sich klar der Handlung unter. Die Kostümauswahl von Renate Benner unterstreicht gut die Eigenschaften der einzelnen Charaktere.