Einfang und Bifang

von Redaktion

Zwar ist inzwischen zumeist der Almabtrieb schon erfolgt, der auf unseren Bergen traditionell um Michaeli herum stattfindet, aber herunt im Tal genießen die Rinder und Rösser weiterhin ihre Zeit auf dem Weideland, solange das Wetter noch hält. Kuh-Hüterbuben oder -Hütermadl gibt es dort schon lange nicht mehr, höchstens in folkloristischen Liedern oder Wiesn-Songs à la „Koa Hiaddamaadl mog i ned, hod koane dickn Waadl ned“, das man etwa von Hubert von Goiserns Interpretation her kennt. Es scheint, als seien die Hiaddamaadl recht schlank und sportlich gewesen! Etwa durch das regelmäßige Einfangen ausgebrochener Kiah (Kühe) oder Koima (Kalbinnen) oder Keiwe (Kälbchen), von den Stierln (Stieren) ganz zu schweigen?

Erwin Angermaier, der Besitzer der Gärtnerei Angermaier zu Derndorf an der Farrenpoint, wohnt am sogenannten Einfangweg. Auf die Frage, worauf er diesen interessanten Straßennamen zurückführe, antwortet Angermeier, es könnte sich bei „Einfängen“ um eingezäunte Parzellen gehandelt haben, in denen die Rinder grasen konnten.

Und tatsächlich: Diese Erklärung findet eine gewisse Bestätigung in einem Eintrag des Buches „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ des Ortsnamenforschers Hans Meixner. In einem Kapitel über Ortsnamen, die auf einer Umzäunung beruhen, findet sich unter anderen der Ortsname „Einfang“ bei Aschau im Chiemgau.

Der Weiler Einfang ist im Salbuch von Hohenaschau für das Jahr 1580 als „Einfang“ belegt und wird von Meixner durch das althochdeutsche Wort infang erklärt. Der Laut i wurde dabei in den Jahren 750 bis 1050 lang ausgesprochen, auch noch in mittelhochdeutscher Zeit (1050 bis 1350); in späteren Jahrhunderten wurde daraus der Zwielaut ei. „Min hus“ wurde entsprechend zu „mein Haus“. Die Namenserklärung lautet bei Meixner: „Eingefriedigtes Land“.

Einfang bei Aschau ist bereits seit 1580 vom Flurnamen zum Ortsnamen geworden; „Einfang“ im Raum Derndorf dagegen ist immer noch ein Flurname, kein Ortsname. Nur im „Schmeller“, nicht aber im „Zehetner“ ist übrigens vom „Einfang“ die Rede.

Im Zusammenhang mit „Fang“ steht aber in beiden Wörterbüchern der sogenannte „Bifang“. Ludwig Zehetner erklärt Bifang in seinem Standardwerk „Bairisches Deutsch“ als „Ackerbeet (vor allem für Kartoffeln)“. Ebenso interessant wie erhellend ist hierzu Zehetners Beleg aus dem „Bayerwald-Echo“ vom 17. September 1992: „Durch das jetzt übliche Tiefpflügen entstehen tiefere Furchen und höhere Bifänge“. Johann Andreas Schmeller scheibt hierzu im „Bayerischen Wörterbuch“ vom Bifang als einer „Erhabenheit zwischen zwey Vertiefungen (Furchen)“ im Ackerbeet.

Bifang leitet sich aber – nicht ganz unähnlich wie Einfang – von „befangen, „umfangen“ her. Ortsnamenforscher Bartholomäus Eberl hält demgemäß Bifang und Einfang für ursprünglich gleichbedeutend, nämlich beide als „Einfriedung“, „Rodung“.

Kann Bifang aber ebenfalls zum Ortsnamen geworden sein? Ja schon, aber bisher nicht in unserer Region! Byfang ist ein Stadtteil von Essen an der Ruhr. Armin Höfer

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