„Kämpfer“ und „Letternmolch“ mitten in der Stadt

von Redaktion

Alfons Röckls Ausstellung „Eigene Bilder“ in seiner „Kleinen Werkraumgalerie“

Rosenheim – Beim Eintreten in den dunklen, schmalen Gang neben Feinkost Winkler in der Heilig-Geist-Straße 4 künden schon rechts an der Wand Plakate davon, dass hier seit über 20 Jahren Kunstausstellungen stattfinden. Die Treppe hinauf in den ersten Stock setzen sich die geschmackvoll gestalteten Ausstellungs-Ankündigungen aus der Hand von Galerist und Künstler Alfons Röckl fort, und der Blick fällt in der Kurve auf sein Mischtechnik-Bild „Die Stadt“. Die Stadt ist auch Thema mancher anderer Bilder in Röckls aktueller Ausstellung „Eigene Bilder“, und es ist gut für diese Stadt, dass es in ihrer Mitte diese kleine, feine Galerie gibt, die immer wieder einen so gar nicht kleinen Kreis von Kunstliebhabern anzieht.

Mal abstrakt,
mal konkret

Nun zeigt der 80-Jährige ein Kaleidoskop seines Schaffens, von kleinsten Preziosen und postkartengroßen Szenen über kleine Zyklen bis zu größeren Arbeiten – mal eher konkret, mal abstrakt. Röckl zeichnet mit Feder, tuscht, bietet Aquarelle und Gouachen, vielfach Mischtechnik-Arbeiten, in denen er auch mit Leim eine leicht reliefartige Oberfläche erzeugt. Bei manchen Werken schaut man auf den eigentlichen Inhalt wie durch eine Gardine; nur schemenhaft erscheint das Sujet.

Alle verfügbaren Wände hat der produktive Künstler mit Bildern behängt, auch ein paar Schwarz-Weiß-Fotos von Reisen in südliche Gefilde finden sich darunter sowie Din-A-4-Blätter mit Texten von Ernst Bloch, Wilhelm Busch, Johann Wolfgang von Goethe, Bertolt Brecht und William Shakespeare – aber auch von Röckl selbst.

In seinem „Kabinetterl“, dem früheren Arbeitsraum (er malt jetzt daheim), hat er sich einen zentral gelegenen Ruheraum mit einem Sessel geschaffen. Schrifttypen aus Blei erinnern an seine 25-jährige Tätigkeit im Verlag Oberbayerisches Volksblatt, anfangs als Handsetzer. Auch hier ist eine Bilderschau, allerdings sind diese Exponate nicht auf dem Ausstellungszettel verzeichnet. Dieser orientiert erst mit Eintritt in den Flur der ehemaligen Wohnung seines Künstlerkollegen Rudolf Wolfbeisser über den Titel der dortigen Exponate. Da sehen wir die kraftvolle Tuschezeichnung „Kämpfer“, geziert mit dem Stolz des Galeristen, einem roten Punkt für „verkauft“, – wie auch mehrere andere Werke im Hauptraum und Hinterstübchen damit „punkten“ können.

An der Stirnwand des großen Raumes hängt ein Bronzekreuz, gestaltet vom unlängst gestorbenen Rosenheimer Bildhauer Josef Hamberger – auch er ein Freund Röckls – sowie ein Foto des ebenfalls nicht mehr unter uns weilenden Künstlers Rainer Dillen und von Georg Anner, kürzlich im Urlaub gestorben, ein unermüdlicher Zuarbeiter der „Kleinen Werkraumgalerie“.

Nummer 10 zeigt ein unverkäufliches Selbstbildnis aus früheren Zeiten –, und Erinnerungen daran bietet auch der witzige „Letternmolch“ (16). In den vier „Kleinen Geschichten“ taucht die „Kleine Hexe“ auf und Röckls Lieblingsvogel, der Rabe. Dieser weist sicherlich auf die Bekanntschaft mit dem großen Tiroler Zeichner Paul Flora hin, der einstmals bei Röckl ausstellte. In seinen Bildtiteln tauchen aber auch Esel und Pferde, eine „Zornkatze“ und ein „Efant“ (sic!) auf. Außer einem „Ritterlein“ findet sich immer wieder mal die Figur des Don Quichotte, aber auch biblisch verortete Szenen.

All dies sollte man sich mit Muße anschauen und so in die hinterkünftige Welt des Röckl’schen Bildkosmos hineinfinden – das kann den Besucher eine Zeitlang aus der Jetztzeit entführen.

Bis 16. Oktober

Die Ausstellung in der Heilig-Geist-Straße 4/I ist donnerstags bis einschließlich samstags von 16 bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung unter den Telefonnummern 08031/32241 und 900718 sowie 0174/5186274 geöffnet und wird bis 16. Oktober gezeigt.

Artikel 5 von 11