Neubeuern – Kurt Hantsch, Gründer der Neubeurer Schlosskonzerte, beendet nach 50 Jahren seine Tätigkeit als künstlerischer Leiter. Sein Nachfolger wird der Pianist Herbert Schuch, den Hantsch viele Jahre betreut und gefördert hat. Von 1980 bis 1995 war der heute 90-Jährige Leiter der Musikschule Rosenheim.
50 Jahre Neubeurer Schlosskonzerte sind wahrlich ein Anlass zum Feiern. Herr Hantsch, wie ist es damals zur Gründung der Reihe gekommen?
Der Neubeurer Festsaal bietet für Konzerte den idealen Rahmen. Der damalige Leiter der Schule fragte mich, als wir am Eingang des Saales standen: „Der Saal ist doch so schön. Könnte man dort nicht Konzerte für die Öffentlichkeit anbieten?“ Ich kannte den Leiter des Kulturvereins von Raubling-Redenfelden, Dr. Hoche, der auch ab und zu Konzerte veranstaltete und fragte ihn, ob er an einer Zusammenarbeit interessiert sei. Die Kasse wurde dann vom Kulturverein verwaltet und ich war zuständig für die künstlerische Leitung.
Nach welchen Kriterien wählten Sie die Konzerte aus?
Ich bin Pianist. Als solcher kannte ich viele Künstler von der Praxis her. Zu den ersten zählten das Koeckert Streichquartett, die Flötisten Karl Heinz Zoeller und Paul Meisen und der Cellist Wolfgang Boettcher.
Was war die Idee, das Konzept der Konzerte?
Ich hatte von Anfang an pro Saison zehn Konzerte zur Verfügung. Es bot sich an, die klassisch-romantische Kammermusik aufzuführen, und zwar nach folgenden Gesichtspunkten: Die umfangreichste Literatur gibt es für das Klavier und das Streichquartett, wofür jeweils drei Abende vorgesehen waren. Dazu gesellten sich Violin-, Cello- und Flötenabende. Zusätzlich gibt es noch Kammermusik in verschiedener Besetzung. Das Konzept gilt heute noch.
Aufgetreten sind schon so erstklassige Ensembles wie das Beaux Arts Trio, das Alban Berg Quartett, die Pianisten Yefim Bronfman und Elisabeth Leonskaja und der Cellist Yo-Yo Ma. Wie treten Sie in Kontakt mit den Interpreten?
Größtenteils läuft das über Agenturen, manchmal aber auch über persönliche Beziehungen.
In der Region gibt es verschiedene Konzertreihen. Was ist das Besondere an den Neubeurer Schlosskonzerten?
Die Künstler loben immer wieder das fachkundige Neubeurer Publikum. Das spüren sie. Natürlich spielt auch der Rahmen eine große Rolle mit dem Neorenaissancesaal des berühmten Architekten Gabriel von Seidl.
Viele Besucher sind schon seit Jahrzehnten treue Abonnenten. Wie viele Plätze gibt es im freien Verkauf?
Ja, ein Großteil des Publikums besteht tatsächlich aus Abonnenten. Im freien Verkauf gibt es rund 30 Karten. Sie sind erhältlich beim Reisebüro Ludwig Kroiss.
Im nächsten Jahr wird der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven gefeiert. Ist Beethoven Schwerpunkt der diesjährigen Saison?
Selbstverständlich! Bei sieben von zehn Konzerten werden Werke von Beethoven aufgeführt für Streichquartett, Klavier, Violine, Cello und Klaviertrio. Beethoven fordert vom Publikum ein hohes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit. Die Konstruktion der Werke, ihr musikalischer Tiefgang ist unvergleichlich.
Am 19. Oktober wird das 50-jährige Jubiläum der Neubeurer Schlosskonzerte mit einem Festkonzert gewürdigt.
Ja, das Belcea Quartett, eines der besten Streichquartette weltweit, spielt an diesem Abend drei Streichquartette von Beethoven aus seiner frühen, mittleren und späteren Schaffenszeit. Darauf freue ich mich sehr.