Alles Mozart – und ein bisschen Haydn

von Redaktion

Zweites Konzert der „Inntaler Klangräume“ in der Kirche Heilig Blut

Rosenheim – In tief-ernstem, ja unerbittlichen f-Moll begann das zweite Konzert der von Andreas Legath konzipierten Reihe „Inntaler Klangräume“. Klangraum war die Kirche von Heilig Blut. Hauptkomponist aller gespielten Werke war Mozart. Düster-gewaltig beginnt die Fantasie in f-Moll KV 608 für Orgel, geht in eine strenge Fuge, ja sogar Doppelfuge über und endet in einer Triller-Explosion. Kaori Mune-Maier schärfte die Herbheit durch eine grelle Registrierung, hätte die Fuge aber noch unerbittlicher meißeln können.

Mehr als
nur „Ave verum“

Das Konzert schloss mit Mozarts „Ave verum“, von dem kleinen Chor aus Mitgliedern des Chors des Bayerischen Rundfunks in kunstfertiger Schlichtheit gesungen. Aber Mozart als Kirchenkomponist besteht nicht nur aus dem „Ave verum“. Das demonstrierte Andreas Legath aufs Deutlichste: Die Motette „God is our refuge“ KV 20 (da war Mozart neun Jahre alt) und das Kyrie KV 90 (da war Mozart 14 Jahre alt) atmen noch den Geist der Palestrina-Zeit. Das Offertorium „Misercordias Domini“ KV 222 (da war Mozart 19 Jahre alt) teilt deutlich den Text in einen bittenden „Misericordias“- und einen freudig singenden „cantabo“-Teil in reicher Harmonik und ausgefeilter Kontrapunktik. Hier glänzte der Chor mit einem beseelten Piano.

Mit einem bezaubernd-anmutigen und locker strahlenden Sopran gefiel die Sopranistin Anna-Lena Elbert im „Tantum ergo“ KV 142 (da war Mozart 13 Jahre alt), mit dunkelglänzendem Sopran jubelte Priska Eser im koloraturenreichen „Laudate Dominum“ aus der „Vesperae de Dominica“ KV 321 (da war Mozart 23 Jahre alt). Die ist recht ausgedehnt und mit Pauke und Trompeten festlich instrumentiert. Legath befeuerte immer wieder mit energischen Gesten diese Festlichkeit, die dadurch, dass der Tenor Andreas Hirtreiter auch die Antiphonen dazwischen sang, zu einer liturgischen Aufführung als gesungene Abendvesper tendierte. Der Chor sang entschlossen die kraftvoll-glaubenssicheren Chorteile.

Dazwischengestreut waren zwei der insgesamt 17 Mozart’schen Kirchensonaten, die zwischen Lesung und Evangelium gespielt wurden. Delikat spielte das Cantate Ensemble, vergnügt umspielte die Orgel die zweite Sonate KV 336 (da war Mozart 24 Jahre alt).

Aber vor, während und nach Mozart gab es in Salzburg noch Michael Haydn (1737 bis 1806), den jüngeren Bruder des Joseph Haydn. 43 Jahre lang wirkte er dort als Hofkomponist, Organist und Dommusiker. Mozart hat ihn sehr geschätzt und sich vielfältig von ihm inspirieren lassen.

Legath, der schon viele Werke von Michael Haydn aufgeführt hat, wählte hier ein entzückendes Werk, das Offertorium „Anima nostra“. Da es für das Fest der Unschuldigen Kinder gedacht war, ist es für Knaben- beziehungsweise Frauenstimmen, Soli und Streicherbegleitung geschrieben. Melodieselig und von innen heraus sonnig strahlend ist diese Musik, die sich immer wieder engelsgleich flügelschlagend in die Höhen zu schwingen scheint, vom Chor so schlicht wie schön gesungen. Andreas Legath hat den Zuhörern da ein großes Geschenk gemacht. Die dankten ihm in der voll besetzten Kirche mit langanhaltendem Applaus.

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