Rosenheim – Politische Themen hat Katrin Sachse schon immer geliebt. Als die 55-Jährige noch für die OVB-Heimatzeitungen tätig war, überredete sie den ehemaligen DDR-Devisen-Beschaffer Alexander Schalck-Golodkowski zu einem exklusiven Interview. Niemand hatte ihn nach seiner Flucht aus der DDR ausfindig gemacht. Katrin Sachse schon. Erstaunlicherweise hat es über 20 Jahre gedauert, bis Sachse jetzt ihr erstes Buch verfasst hat. Noch erstaunlicher: Es geht nicht um harte Politfakten, sondern um die Liebesgeschichte eines harten Politikers. „Geliebte Freundin“ erzählt von Helmut Kohls heimlicher Geliebten Beatrice Herbold.
Über Helmut Kohl, Kanzler der Deutschen Einheit, wurde viel gemunkelt in Sachen Freundinnen. Es blieb jedoch stets bei Gerüchten. Die Geschichte von Beatrice Herbold ist die einzige, die je gedruckt worden ist. Wie kamen Sie an das Thema?
2016 brachte ein Kollege bei BUNTE die Geschichte mit. Es dauerte allerdings eine Weile, bis er Beatrice Herbold überzeugt hatte, ihm ein Interview zu geben. Ich habe die Geschichte damals in der Redaktion betreut, sie erschien im April 2016 in BUNTE. Dass ich dann später das Buch „Geliebte Freundin“ mit Frau Herbold geschrieben habe, lag vor allem daran, dass es für sie leichter war, mit einer Frau über ihre Erlebnisse zu sprechen.
Wie haben Sie sich rückversichert, dass die Story stimmt?
Wir haben überprüft, was möglich war, und uns mit Eidesstattlichen Erklärungen abgesichert. Natürlich haben wir auch mit Menschen gesprochen, die in jenen Tagen ganz nah an Helmut Kohl dran waren. Sie haben uns die Beziehung inoffiziell bestätigt.
Warum gibt es dann so wenig Belege von Beatrice Herbold und Helmut Kohl? Nur dieses eine Foto, das auf dem Buch-Cover gezeigt wird.
Es gibt schon noch mehr Fotos, aber von schlechter Qualität. Herbold und Kohl haben sehr drauf geachtet, keine Beweise zu produzieren. Außerdem hat Frau Herbold bei einem ihrer vielen Umzüge die Kiste mit ihren wichtigsten persönlichen Unterlagen, darunter auch Zeugnisse, Familienalben und Kohl-Erinnerungen, verloren.
Trotzdem ist es unfassbar, dass eine immerhin zehnjährige Beziehung zwischen einem Super-Promi und einer 40 Jahre jüngeren Frau so geheim geblieben ist.
Das war genau eine der Facetten der Geschichte, die mich fasziniert hat. Wie war das möglich? Heute, wo jeder Mensch eine Handykamera besitzt, kann man es sich kaum vorstellen, dass ein prominenter Politiker unbeobachtet mit seiner Geliebten zum Essen geht. Aber die Jahre zwischen 1990 und 2000 ließen solche Geheimnisse noch zu. Herbold und Kohl wurden natürlich zusammen gesehen, es wurde auch getuschelt. Aber es gab keine Möglichkeiten, so wie heute, etwas in Sekundenschnelle per Instagram oder Facebook zu verbreiten.
Wie gut haben Sie sich mit Frau Herbold verstanden?
Gut, sonst hätten wir das Buch nicht gemeinsam machen können. All das Erzählte ist ihr Leben, aber es ist mein Text. Ich musste mich in sie einfühlen, verstehen, wie sie damals gedacht und empfunden hat, wie es war, wenn sie auf Kohl gewartet hat und dann die Aufregung, wenn er endlich kam. Sie hat viele Jahre eine heimliche Liebe gelebt und hat dafür große Opfer gebracht. Ich habe vor ihr den größten Respekt.
Hat die Lovestory Ihren Blick auf Helmut Kohl verändert?
Er ist mir sympathischer geworden. Frau Herbold hat mir einen Mann geschildert, der feinfühlig, verliebt, fürsorglich und zugewandt war. Das war eine echte, tiefe Liebe, mit allem, was dazu gehört. Das wollte ich in dem Buch zeigen, ohne dass es respektlos oder zu voyeuristisch wird – immerhin handelt es sich um den damaligen Bundeskanzler.
Sie zeigen den CDU-Politiker aber als einen Mann, der sorglos fremdgeht.
Macht macht sexy. Dieser Satz stimmt – auch bei Helmut Kohl, der nicht unbedingt dem männlichen Schönheitsideal entsprach. Es gibt übrigens Leser, die finden, Beatrice Herbold hätte diese Geschichte nicht erzählen dürfen, sie hätte schweigen sollen. Ich finde, das Volk darf wissen, ob ein mächtiger Politiker ein treuer Ehemann und Familienvater ist – jedenfalls dann, wenn er öffentlich vorgibt, es zu sein. Kohl hat immer eine vorbildliche Ehe und ein heiles Familienidyll inszeniert und die Menschen haben ihm dieses Glück geglaubt. Es mag eine unangenehme oder enttäuschende Wahrheit sein, dass Helmut Kohl jahrelang eine andere Frau geliebt hat, aber da es so war, gehört es nun einmal zu seinem Leben und zu seiner Persönlichkeit dazu. Er hat Frau Herbold gegenüber immer mit höchstem Respekt über Hannelore gesprochen. Sie sei die Frau, der er alles zu verdanken habe, hat er gesagt. Auch Frau Herbold äußert sich bewundernd über Hannelore Kohl. Sie hätte den Mann vielleicht gerne für sich allein haben wollen, aber niemals Hannelore Kohls Rolle.
Ihr Buch stand schon auf Platz 21 der deutschen Sachbuch-Bestseller-Liste. Wie geht es weiter?
Wir sind auf der Frankfurter Buchmesse. Dann gibt es noch ein paar Lesungen, sicher auch in Bayern. Die Termine stehen aber noch nicht fest.