Chicago-Stil in Reinkultur

von Redaktion

„The Bluesanovas“ aus Münster bestechen mit ihrem mitreißendem Groove

Irschenberg – Wahrscheinlich hat kein anderer Bluesstil einen so hohen Wiedererkennungswert in Form und Sound wie der Chicago Blues. Es ist die Musik, die am meisten nach dem Rhythm ‘n‘ Blues der 50er- Jahre klingt, und der sich die „Bluesanovas“ aus Münster – eine junge Band, deren Durchschnittsalter gerade mal 24 Jahre beträgt – verschrieben haben. Und das nicht nur innerlich, musikalisch-talentiert und voller Leidenschaft, sondern auch äußerlich, trat das Quintett doch ordentlich gekämmt und elegant gewandet auf.

Auf Einladung des Blues-Club Chiemgau gab es beim Dinzler am Irschenberg Chicago-Stil in Reinkultur: grandioser E-Slide-Gitarrensound, ein mächtiges Boogie-Piano, eine entfesselte Rhythmusgruppe plus starkem Gesang, gepaart mit moderner Politur. Denn die meisten Songs haben sie selbst geschrieben, und so mancher entstand zu nachtschlafender Stunde, wieSänger Melvin Schulz als Moderator kurzweilig zu berichten wusste. „Stellt euch vor, nachts um ein Uhr, ein kleines Haus, darin ein kleines Tonstudio, der Alkohol ist alle, aber es fehlt noch der eine Song…“

Und dennoch entstand „Devils Mule“, perfekter Sound für eine mitternächtliche Stunde. „Solitude Blues“ überzeugt mit groovigen Rhythmus, Rock ’n’ Roll-mäßig mutet „Trash Talking Woman“ an, „Lucky Man“ und „Heal me Baby“ sind Bluesnummern, wie man sie von den Altvorderen kennt. So mancher Song hat Anleihen genommen bei B.B. King, einem der Vorbilder der „Bluesanovas“, wie sie selbst sagen.

Dabei brauchen sich die Fünf gar nicht zu verstecken, überzeugen sie doch mit Können, Musikalität und Bühnenausstrahlung. Da ist Philippe de La Torre, der den Saiten seiner Slide-Gitarre satte Töne entlockt, Melvin Schulz beeindruckt mit seiner markanten Stimme und Performance am Mikrofon und Nico Dreier sorgt am Keyboard mit flinker Fingerfertigkeit für das richtige Boogie-Woogie-Gefühl. Sein Zwillingsbruder Philipp am Schlagzeug und Nikolas Karolewizc am Kontrabass, hin und wieder auch mal am E-Bass, sind verantwortlich für den Rhythmus und den satten Klangteppich.

Kein Wunder also, dass das Publikum (das ruhig zahlreicher hätte erscheinen dürfen) vom ersten Ton an begeistert mitging. Die „Bluesanovas“, immerhin Gewinner der German Blues Challenge 2019, bot Blues ’n’ Boogie, wie er sich gehört. Elisabeth Kirchner

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