Auf dem blühenden Hügel von Bernau

von Redaktion

Der Pianist Christoph Declara eröffnet Konzertleben auf Gut Hitzelsberg

Bernau – Darauf kann Bernau mit Recht stolz sein: Die Immobilienfirma Herecon, die das imposante Gut Hitzelsberg hoch über Bernau gekauft hat und nun dort residiert, möchte diesen Ort auch als Kultur-Ort installieren. Ganz im Sinne des Bernauer Gemeinderats und des Bürgermeisters Philipp Bernhofer, der diesen Hügel – in Abgrenzung zu den „grünen Hügeln“ von Immling und Grassau – als „blühenden Hügel von Bernau“ bezeichnete.

Als Auftakt fand nun ein Klavierabend mit Christoph Declara statt, der aus Rosenheim stammt und nun eine Klavierklasse am Salzburger Mozarteum leitet. Er verzichtete auf eine Gage, so dass der Reinerlös des Abends vollständig der „Stiftung für Bernau“ zugeführt werden kann, worüber sich der Bürgermeister ein zweites Mal freuen konnte. Das Publikum war eine Mischung aus Kulturinteressierten der Region bis hin nach München, aber auch aus Einheimischen, die den Hügel ja zu Fuß erklimmen können.

Der große Saal, der früher Oldtimer-Autos beherbergt hatte, bietet großzügigen Raum und auch eine gute Akustik: ein bisschen sehr direkt, aufgehellt, bisweilen ein bisschen knallig, aber durchaus konzertgeeignet. Für welche Art Konzerte, muss noch experimentiert werden.

Auftakt
mit Mozart

Der Abend begann mit Mozart – der in seiner Fragilität vielleicht nicht so sehr in den Raum passt. In der a-Moll-Sonate KV 310 ließ Declara die Moll-Träne aufblitzen, sowohl im pathetischen Grundzug des Themas als auch in der pausenlosen Sechzehntel-Motorik hörte man den tragischen Urgrund dieser Sonate heraus, mit der Mozart sich von der Rokoko-Tändelei löste.

Im Andante cantabile, dessen Kantabilität Declara mit leuchtendem Ton bestätigte, ahnte man schon Schubert voraus, wenn es plötzlich ins Tiefversonnene und dann ins Schmerzlich-Tragische umkippt. Dass ein Spiel nie nur ein Spiel ist, demonstrierte Declara dann im Finale, das in fast monotoner Gleichförmigkeit dahinhastet: nicht ganz im jagenden Presto, sondern eher in einer behänden Geläufigkeit.

Vielleicht um dem Hineinklatschen des Publikums zuvorzukommen spielte Declara die Drei Klavierstücke D 946 von Franz Schubert in einem Guss und nährte damit auch die Vermutung, man könnte sie für eine ganze Sonate halten. Declara zeigte hier Schubert als den sinnenden, grübelnden und wühlenden und immer wehmütig singenden Poeten am Klavier, der sich immer wieder, bei aller Klangschönheit voller Hörnerklang, ins Schmerzlich-Traurige flüchtet: bezwingende poetische Kraft.

Nach der Pause wurde es mit Frédéric Chopin und Sergej Rachmaninow virtuoser: Kraftvoll kam Chopins populäre Polonaise op. 53, in groß entfalteter Ruhe sein Nocturne op. 48 Nr. 1 und aufrauschend, nachdenklich erzählend und delikat im Klang die g-Moll-Ballade op. 23 mit dem auftrumpfend-donnerndem Schluss.

Rachmaninows Klangfülle

In berauschender Klangfülle ertönten drei Préludes von Rachmaninow aus seinem Opus 23, die große Virtuosität erfordern, die Declara mühelos zeigte. Im D-Dur-Prélude modellierte er schön die Melodie, holte dann die sie umspielende Begleitmelodie dazu und brachte alles ins akkordisch Volltönende. Brausend-virtuos endete er mit dem majestätischen Prélude in b-Moll. Das jubelnde Publikum entließ den Pianisten erst nach drei Zugaben. Dieser „Auftakt“ zu einem reichen Konzertleben auf Gut Hitzelsberg hat sich gut angelassen. Mögen noch viele qualitätsvolle Konzerte folgen!

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