Seebruck – „Wo ist zu diesem Innen ein Außen“, lautet der Titel der Porträtausstellung, die in der Chiem-See-Bruck-Galerie noch bis 27. Oktober zu besichtigen ist. Im Fokus der Ausstellung, die unter dem Zitat von Rainer Maria Rilke steht, sind mehrere Büsten aus verschiedenen Schaffensphasen und eine grafische Selbstbildnis-Reihe.
In seinem Kunstschaffen möchte Stellner bewusst Bezug zum Werk des Dichters nehmen, also die Arbeit eines Bildhauers mit Rilkes präzisem Umgang mit Worten vergleichen. Die im Zitat erfasste Dualität reflektiert in vielfacher Hinsicht Stellners Arbeitsweise. So erarbeitet er als Bildhauer die Form seiner Werke von Innen nach Außen, wobei sich „Innen und Außen“ auch auf Form und Inhalt beziehen soll. Beides ist für den Künstler untrennbar, beides entscheidend für Wirkung und Wahrnehmung eines Kunstwerks und somit maßgebend dafür, ob es der Betrachter als „schön“ empfindet. Schönheitsempfinden kann, besonders in einem Porträt, nie neutral sein. Es ist historisch und gesellschaftlich bedingt, mit kultureller Zugehörigkeit, Identität, manchmal sogar Loyalität verbunden.
Spätestens hier stellt sich die Frage, wie viel Inhalt überhaupt die Schönheit verträgt und wie autark die Kunst bei solchen Fragen bleibt. Der Bildhauer Hannes Stellner wurde vor allem durch seine Ohrskulpturen bekannt. Seit 1998 widmet er sich als Lehrer an der Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei Berchtesgaden auch der Kunstvermittlung.
Die ausgestellten Werke untersuchen Parallelen in der Formensprache in den Epochen der Kunstgeschichte und zeigen eine auf den ersten Blick überraschende Synthese stilistischer Mittel der Gotik und Proto-Renaissance, aber auch des magischen Realismus und der Filmästhetik der 20er-Jahre. Zudem ließ sich Stellner von der zeitgenössischen Modebranche zum „Clean Look“ und Androgynie inspirieren. In allen Fällen geht es um eine präzise, reduzierte Bildsprache, die auf alles Überflüssige verzichtet und eine sehr direkte Wirkung mit einem Hauch von Glamour verbindet.