Übersee – Mit Pauken und Trompeten und auf Höchstniveau präsentierte sich das Orchester Collegia-Musica-Chiemgau unter der Leitung von Elke Burkert beim Benefizkonzert in der vollbesetzten Kirche St. Nikolaus. Moderator Peter Heider vom Rotary Club Traunstein stellte das Förderprojekt „Freunde“ des Rotary Clubs vor und führte anschaulich und unterhaltsam durch das größtenteils unbekannte Programm.
Acht obligate
Pauken im Einsatz
Dazu gehörte gleich zu Beginn die Sinfonie mit acht obligaten Pauken und Orchester in C-Dur mit den Sätzen Moderato, Adagio, Allegretto und Presto von Johann Carl Christian Fischer mit dem Solisten Felix Kolb, der schon in verschiedenen Orchestern und unter bedeutenden Dirigenten Erfahrungen sammeln konnte. Er stand in einem Halbkreis von acht Pauken etwas erhöht über dem Orchester, das überwiegend aus Profimusikern besteht und mit bezaubernder Klangqualität bestach.
Kolbs Spiel auf den Pauken war von gymnastischer Virtuosität geprägt, da er die Reichweite seiner Arme voll ausnützen musste, um die jeweils entsprechend gestimmte Pauke erklingen zu lassen. Er überraschte sowohl mit einem festlich den Kirchenraum füllenden Paukenklang, als auch mit einfühlsamen Dialogen mit den Holzblasinstrumenten. Eine kurze Kadenz der Pauke mit rhythmischen Imitationen und Variationen leitete über in die Legatokantilene des Adagio mit einem Frage-Antwort-Spiel zwischen Streichern und Bläsern und einem gemeinsamen Abschluss. Nach dem tänzerisch-verspielten Allegretto mit einem langsameren Mittelteil schloss eine Temposteigerung im Presto diese interessante Komposition ab.
Bei Joseph Gabriel Rheinbergers (1839 bis 1901) Präludium in F-Dur, erfüllte Kirchenmusikdirektor Matthias Roth auf der großen Orgel den Kirchenraum mit wuchtigen Orgelklängen, während er bei den barocken Werken den Basso continuo auf der Truhenorgel spielte. Ein weiterer Höhepunkt war der neunjährige Trompeter Nikola Curovic aus Bayerisch Gmain, der schon etliche Wettbewerbspreise gewonnen hat. Im Konzert Nr. 1 in B-Dur für Trompete und Orchester von Pietro Baldessari (1690 bis 1768) zog er alle Register seines Könnens und ließ sein Instrument in barocker Pracht erstrahlen.
Temperamentvoll und mit klarem Dirigat, besonders auch bei den Übergängen, führte Elke Burkert die Instrumentalisten durch die verschiedenen Musikepochen und gab durch Mimik und Gestik die musikalische Botschaft sehr intensiv an das Orchester weiter. Inspiriert von zwei Aquarellen seiner Frau komponierte Frederick Delius (1826 bis 1934) die gleichnamigen Stücke für Streicher mit interessanten Harmonien. Vor dem geistigen Auge fließen im Lento buchstäblich die Farben in einen Klangteppich zusammen, der verschwimmend im Nichts endet, während im Allegro ein archetypisch-lautmalerisches Landschaftsbild auftaucht, wie es im nördlichen Europa vorkommt.
Ein Gustostück, das gemeinsam mit dem Konzert für zwei Trompeten und Orchester in C-Dur, RV 537 von Antonio Vivaldi zu den bekannten Werken des Abends gehörte, ist das Rondo in D-Dur für Flöte und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart, das von Reinhard Ströle dargeboten wurde. Er wirkte einige Jahre an der Nürnberger Oper unter Christian Thielemann, studierte dann Medizin und arbeitet jetzt als Oberarzt an einer Klinik in Ansbach. Mozartisch-tänzerisch vollzog sich der immer wiederkehrende Wechsel zwischen den leiser begleiteten Solo- und den mächtigeren Tuttistellen. Für raumgreifende Trompetenklänge sorgten sodann Markus Riepertinger und Moritz Eckert, beide mit großen Wettbewerbserfolgen und Orchestererfahrung. In dem typisch Vivaldi’schen Mittelsatz im Largo und den beiden Ecksätze im Allegro gelang es den beiden virtuosen Solisten bestens, die harmonisierende Kraft des barocken Weltbildes ausströmen zu lassen.
Ausdrucksstark, mit tiefgehender und berührender Musikalität schwelgte das Orchester in Gerald Finzis (1901 bis 1956) Romanze in Es-Dur für Streichorchester mit dem Konzertmeister Walter Forchert als Solisten. Ein besonderes Erlebnis war auch das Klarinettenkonzert Nr. 2 in f-Moll, op. 5 von Bernhard Henrik Crusell (1775 bis 1838), bei dessen Andante pastorale Franziska Wallner die Zuhörer dahinschmelzen ließ und sie danach im lebhaften Rondo mit virtuosen Läufen mitriss.
Werk des
fränkischen Mozarts
Die „Sinfonia per la Chiesa“ in D-Dur mit dem Beinamen „Riksdagssymfoni“ VB 146 von Josef Martin Kraus (1756 bis 1792), der nicht nur wegen der Lebensdaten viel mit Mozart gemeinsam hat und daher der „fränkische Mozart“ genannt wird, bildete den fulminanten Abschluss eines Konzertes, in dem sich ein Höhepunkt an den anderen fügte. Nicht enden wollender Applaus und Bravos vor und nach der Zugabe „Nimrod“ von Edward Elgar (1857 bis 1934).