Riedering – Ja, Sepp, mach ‚ma uns aan scheenan Abend.“ Georg Ringsgwandl, Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist und ursprünglich Oberarzt für Kardiologie, hatte da dem Sepp Staber, dem Conferencier und Leiter der Riederinger Spuileit, nicht zuviel versprochen beim Gastspiel im „Alten Wirt“ in Riedering.
Und nicht nur der Sepp, der dem Ringsgwandl „eine appolonische Schönheit“ mit stattlich-bayerischer Figur und stattlich-bayrischem Schnauzer attestierte, kam auf seine Kosten, auch das zahlreich erschienene Publikum durfte sich über Wortwitz und Blues vom Feinsten erfreuen.
Da ist „schee“ eigentlich das falsche Wort, eine Untertreibung geradezu, denn auch wenn der Georg Ringsgwandl inzwischen über 70 Lenze zählt, wirkt er doch trotz der grauen Haare geradezu jungenhaft mit seiner Beobachtungsgabe über das Leben und seiner musikalischen Begabung: Nicht nur stimmlich, sondern auch an Gitarre und Zither. Überhaupt die Zither: „Fürs Klavier hat’s nicht gereicht, aber dafür gab’s die Zither, die von der Tante ererbte.“
Astrologin weissagte
ihm den Horowitz
Und auch wenn es für den damals jungen Ringsgwandl, Sohn eines Postboten und einer Verkäuferin, nicht für die Karriere zum zweiten Horowitz reichte, wie von einer Astrologin geweissagt, dann muss das nicht traurig stimmen. Im Gegenteil, so hatte der Georg Ringsgwandl Zeit, seinen unverwechselbaren bajuwarischen Blues-Funk-Folk-Mix zu entwickeln und den Menschen im Allgemeinen und im Besonderen in seinem Umfeld zu betrachten. Und die Heimat. Die liegt ihm sehr am Herzen, wie einige seiner Lieder beweisen. Dies natürlich in Ringsgwandl-Manier in Texten mit doppeltem Boden und – wie das Nicken einiger Zuhörer beweist – indem er ihnen aus der Seele spricht. Sei es beim Lied „Dorf“, wenn er den Wettbewerb „Unser Dorf soll schiacher“ werden besingt und über hässliche Gewerbegebiete mit immensem Flächenverbrauch klagt, sei es bei der Ballade „Obapfoiz“, wenn er beschreibt, wie eine Frau von familiärer und dörflicher Enge frustriert abhaut, oder beim Song „Dahoam is ned dahoam“, wenn er klagt, „dass im Wirtshaus nix mehr los ist und wo fast koa Mensch mehr boarisch redt“.
Aus den Gesprächen mit seinem Psychiater zieht Ringsgwandl Rückschlüsse auf den Menschen: Daumen auf die Namen auf den Krankenakten, und dennoch weiß er sofort, wer sich beim Psychiater („ein netter Mensch, auch wenn er ein Preiß ist“) behandeln lässt: „Ich kenn die Leute.“
Ein ungutes
Nah-Tod-Erlebnis
Makaber wirkt seine Sichtweise auf sein eigenes Leben. Nach einem Radunfall – „ein ungutes Nahtod-Erlebnis“ – hat er sich im Krankenhaus gedacht, das Personal dort sei sehr freundlich, „freindlicher als dahoam“: Ob er sich vielleicht eine Zehnerkarte dafür kaufen könne? Und später habe er sich überlegt: „Ohne Helm hätte ich die Steuererklärung nicht mehr machen müssen“. Das ist zwar Angriff auf das Zwerchfell, aber gleichzeitig muss man schlucken ob der Mehrdeutigkeit.
Dass er nicht nur sprachliche, sondern auch musikalische Feuerwerke zünden kann, beweist er mit seinem Lied „Koda“ und dem Liebeslied auf die Münchner Politesse Vroni „De Vrone von der verkehrsberuhigten Zone.“ Spätestens wenn er seine bajuwarische Zither-Version des Country-Songs „A Few Old Memories“ von Hazel Dickens auspackt, versteht man, warum der Ringsgwandl Kult ist.
Zusammen mit dem grandiosen Gitarristen Nick Woodland an der Gitarre und dem nicht minder virtuos am Kontrabass aufspielenden Christian Diener war das Rhythm’n Blues, wie man ihn sonst in verrauchten Hinterzimmern vermutet. Schon allein deshalb war die kleine Bühne beim Alten Wirt in Riedering perfekt. Seine Zugaben „Nix mitnehma“ nach Bob Dylans“ Gotta Serve Somebody“ und das beinahe balladenhafte „jünger innen drin“ waren ein sanfter Ausklang. Sein Auftritt bei den Riederinger Spuileit sei für ihn „ein Vergnügen, eine Freude, eine Ehre“ – das Kompliment darf man zurückgeben, Ringsgwandl zu erleben, war Vergnügen, Freude und Ehre.