Sachrang – In der Sachranger Pfarrkirche St. Michael spielten Professor Hansjörg Schellenberger (Oboe), Matthias Schulz (Flöte), Johannes Berger (Cembalo) und Marta Alvarez (Fagott) im Rahmen der Konzertreihe Seite an Seite mit dem Sachranger Musikforum ein Barockkonzert zum Gedenken.
Glatt polierte Barock-Klänge?
Statt barocker Heiterkeit gab es barocke Klänge in Moll, statt glatt polierten und sich wiederholenden Melodien Raritäten mit Tiefenwirkung, statt barockem Gleichklang edle, clever strukturierte Werke, die das hochkarätige Ensemble mit ausdrucksvollem, sensibel differenziertem, mit Funken sprühendem Schwung und virtuosem Zusammenspiel darbot. Eröffnet wurde das Konzert mit Georg Friedrich Händels (1685 bis 1759) Triosonate in g-Moll opus 2 Nr. 2. Hier ließen Oboe, Flöte, Fagott und Cembalo die barocken Tonmalereien aufblühen, ausdrucksvoll im Andante, cantabile im Largo und heiter-neckend im Allegro. Georg Philipp Telemanns (1681 bis 1767) Triosonate Nr 61 in e-Moll stand der Händelschen Kompositionskunst in nichts nach, und so setzten die Instrumentalisten auch hier voll auf die Wirkung: Das largo und affetuoso war schöner und dennoch schlank gehaltener Pathos, das Allegro und das „vivace“ hingegen pralle Lebenslust. Ebenso die zwischengeschaltete Sonate im Kanon Nr. 4 in d-Moll für Flöte und Oboe war kunstfertigster Barock. War der piacevole-Satz gefällig, so flogen beim „presto“ die Finger der beiden Solisten nur so über die Klappen. Auf Telemann folgte Bach. Zuerst gab es ein Duett des ältesten Bachschen Sohnes, Wilhelm Friedemann (1710 bis 1784). Dessen Duett Nr 4 Fk 57 – augenfällig und herausragend in F-Dur – strahlte im Allegro Heiterkeit aus, gefolgt von einem spannungsreich gespielten lieblichen, aber auch melancholischen „lamentabile“ und in einem finalen „presto“ endend.
Zwiegespräch zwischen den Bläsern
Die Läufe rauschten so schnell vorbei, dass man sie kaum voll goutieren konnte, wenngleich man den beiden Interpreten zugestehen muss, dass sie ihren jeweiligen Part überaus gekonnt, klanglich wie spieltechnisch, darboten. Vom Sohn zum Vater, von F-Dur in die Parallel-Tonart d-Moll: Bei der Triosonate in d-Moll von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), BWV 1036, kam jedes Instrument auf anspruchsvolle Art auf seine Kosten.
Das Adagio, quasi ein rezitatives Zwiegespräch zwischen den beiden Bläsern, war wohlwollendes und einvernehmliches Miteinander, das sich auch im Allegro fortsetzte. Dem Largo stellte sich das Vivace gegenüber, Letzteres tänzerisch-beschwingter Gegenpol und gleichzeitig Höhepunkt. Wenngleich Oboe und Flöte Wortführer waren, wirkten sie nie dominant.
In der Basso Continuo Gruppe glänzten Marta Alvarez am Fagott (durchgängig brillianter, weicher Ansatz) und Johannes Berger, der das Trio am Cembalo lebendig-transparent begleitete. Das war erfrischender Barock, verbunden mit Präzision und dynamischer Differenzierung. Das war Musizierlust, die in der Zugabe aufs Vortrefflichste gipfelte: Aus der Triosonate „L’apotheose de Lully“ von Francois Couperin (1668 bis 1733) spielte das kleine Ensemble noch den Satz „Descente d‘ Apollon: qui vient offrir son violon a Lully et sa place au parnasse“.
Es war ein Gipfeltreffen der schönen Künste auf dem Parnass, dem die Zuhörer nicht nur beiwohnen, sondern auch mitgenießen durften. elk