Ein bewegtes Leben in Melodien

von Redaktion

Klavier-Solo-Konzert zum 85. Geburtstag mit Abdullah Ibrahim

Söllhuben – Musik, die einem Kreis folgt, die nicht linear ist, die beginnt, die kreist und dann wieder zum Anfang zurückfindet – Abdullah Ibrahim hat sich und seinem Publikum zu seinem 85. Geburtstag ein besonderes Geschenk gemacht: „Dream Time“, an seinem Geburtstag, im Solo-Konzert beim Hirzinger in Söllhuben.

Begleiter von

Miriam Makeba

Sein Leben allein kann schon ganze Bände füllen: Geboren und aufgewachsen in Kensington, einem der Armenviertel Südafrikas, fing er als musikalischer Begleiter von Miriam Makeba an, wurde Bandleader der ersten südafrikanischen Jazzband, den „Jazz Epistels“, und war später erfolgreicher Musiker im Exil in Europa und den USA – auch dank seines Mentors Duke Ellington – und war doch immer mit einem Fuß in Südafrika.

Zur Amtseinführung von Mandela gespielt

So setzte er mit seiner Anti-Apartheitshymne „Mannenberg“ ein Zeichen und spielte knapp 20 Jahre später zur Amtseinführung Nelson Mandelas 1994 wieder in Südafrika. Und dieses bewegte Leben hat er nun in Melodien gewandet. Melodien, die nahtlos ineinander übergehen und in der sich europäische, südafrikanische und amerikanische Einflüsse auf wunderbare Weise miteinander vermengen. Eine Reise mit spiritueller, beinahe entschleunigender Kraft, die ohne Pause über eineinhalb Stunden nonstop durchgeht. Man kann nicht umhin, den Künstler schon allein für diese seine Konzentrationsfähigkeit zu bewundern, spielt er doch alles auswendig. Aber mehr noch faszinieren seine Technik, sein eleganter Anschlag und der behutsame Gebrauch der Pedale, seine musikalische Sprache und seine Ausdrucksfähigkeit. Schon mit den ersten, zarten Tönen auf seinem Fazioli-Flügel fängt er seine Zuhörer ein und nimmt sie mit auf eine Reise, die in Triest mit „Trieste my love“ beginnt und über Amerika und Südafrika wieder an den Anfang zurückkehrt. Bei jedem Stopp fließen die vielen musikalischen, kulturellen, religiösen (er konvertierte in den 70er-Jahren zum Islam) und teilweise auch politischen Einflüsse ein, die ihm in seinem Leben widerfuhren: seine Begegnungen, die ihn geprägt haben, und die sich in seiner Musik widerspiegeln. Sei es das jazzige Element, das bei „Dedication to Duke Ellington“ miteinfließt, sei es der Blues, der magisch betört bei „Blues for a Hip King“, seien es die christlichen Einflüsse seiner südafrikanischen Heimatkirchengemeinde, die in „Whoza Mtwana“ durchschimmern und die einer Hymne gleichen oder seien es die Erinnerungen an die Zeiten der Apartheit („Capetown Six District“).

Spröder Charme mit beruhigender Kraft

Anders und passgenau dazwischen erklingt „Dream Time“, ein Stück, das mit seiner anschaulichen Ruhe entschleunigend wirkt. Genauso wie der „Blue Bolero“, eine Melodie, die mit ihrem spröden Charme die einzelnen Stationen der Reise verbindet und die durch das dreimalige Wiederholen innerhalb des Zyklus‘ eine beruhigende Kraft ausstrahlt und das Gefühl von Heimat, von Angekommensein vermittelt. Musik, die eine spirituelle Kraft hat und die weit über ihre Töne hinausgeht. Der Musikwissenschaftler Roland Spiegel hatte in seiner Laudatio im Konzert gesagt, dass Abdullah Ibrahims Melodien den Zuhörer auf einen Spaziergang durch das eigene Leben mitnehmen. Genau so ist es, da lässt sich eigentlich nichts mehr hinzufügen, außer einem „Danke“ und „Happy Birthday.“

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