Bad Aibling – Mit dem amerikanischen Fingerstyle und Pickering-Spezialisten Andy McKee haben die Veranstalter zum Jubiläum des Internationalen Gitarrenfestivals ein weiteres Highlight in ihrer „Best of“-Rückblende aus 20 Jahren „Saitensprünge“ in Bad Aibling präsentiert.
Was die Gitarren dieses Solisten leisten und ertragen können, sucht wahrhaftig seinesgleichen.
Handballen erzeugen ein Donnergrollen
Ob McKee im großen Kurhaussaal das Instrument als peruanisches Cajón traktierte, ob er mit seinen Handballen an den Saiten ein Donnergrollen drohen ließ, ob er denselben Saiten mit seinem Pickering ein Kichern entlockte oder ob er innige Sphären zauberte – McKee überwältigt.
Zum Auftakt machte er mit seinem weltberühmten Stück „Drifting“ von vornherein klar, dass dies ein ebenso beeindruckender wie anspruchsvoller Abend werden würde. Mit dem bezaubernden und anrührenden Stück „For My Father“ bewies er seine Fähigkeit, in gleicher Weise über Kontraste zu verfügen und innige Melodienläufe mit schmelzenden Effekten in Szene zu setzen. Imposant auch seine Interpretation von Michael Hedges Stück „because it´s there“, dessen Musik ihm Vorbild und Ansporn war.
Heute gelingt es ihm, Kontinent übergreifend verschiedenste Charakteristika wirkungsvoll und glaubwürdig zu vereinen. So war an ein und derselben Gitarre eine afrikanische Djembe zu hören, über welcher sich die klagenden Melodien eines Countrysongs mit den treibenden Rhythmen einer karibischen Steel Pan verbanden – das alles tatsächlich an einer einzigen Gitarre. Wirkungsvoll setzt er dabei die elektronischen Möglichkeiten ein und um. Einmal tobt er ekstatisch auf und an den sechs Saiten, dann wieder inszeniert er sich bluesig oder formuliert auf dem Griffbrett beidhändig romantische Klangfiguren. Andy McKee ist nicht festzulegen.
Karibik? Afrika? Sequenzen verblüffen
Kaum ist man überzeugt dass er afrikanische, karibische und spanische Klänge miteinander vermählt, verblüfft er mit Sequenzen aus dem Dudelsack-Milieu. Dass dies aber nicht schlicht aneinander gereiht geschieht, sondern von diesem Künstler überzeugend verwoben präsentiert wird, das macht die Sensation und die beeindruckend große Kunst des 40-jährigen Amerikaners aus.
Erneut bewiesen damit die Veranstalter, dass sie sich qualitativ weltweit mit jeglichem Festival ähnlicher Art messen können.