Geschicktes Stelldichein: Barock gegen Moderne

von Redaktion

Italienische Orgelmusik beim Kolbermoorer Orgeltag – Carlo M. Barile überzeugt mit klanggewaltigem Spiel

Kolbermoor – Von Bari tief im Süden Italiens angereist war Carlo M. Barile für den Orgeltag in der Kolbermoorer Kirche „Wiederkunft Christi“. Er brachte italienische Orgelmusik aus dem Barock und der Moderne mit, die er geschickt gegeneinander stellte.

Mit der g-Moll-Fantasie von Bach BWV 542 begann er, aber ohne die Fuge. Mit der chromatischen Klanggewalt dieses Werkes kann jeder gute Organist Furore machen. Barile spielte sie in brausender Majestät und ließ in strenger Gewalt die Bass- und Diskantstimme auseinander- und gegeneinander streben. Man kann diese Fantasie auch stürmischer spielen.

Ähnliche Klangballungen und sich gegenseitig jagende und überholende Läufe zeigte ein „Praeambulum“ von Biagio Putignano (geboren 1960), der auch in Bari Komposition lehrt.

Dessen „Meditazione“ aus dem Jahre 1984 klingt fast noch spätromantisch und dann ein bisschen nach Olivier Messiaens: Stetig sich vorwärts bewegenden Akkordfolgen begegnet eine sich in sphärische Höhen steigende Flöte, die vom Pedalbass beantwortet wird, worauf sich alles choralartig ins Große steigert und in strahlendem Dur endet.

Giovanni Maria Trabaci (1575 bis 1647) war königlicher Kapellmeister am Hofe von Neapel. Ruhige Akkordfolgen prägen sein „Durezze et Ligature“, etwas lehrbuchhaft klingen hingegen seine „12 Versi des Secondo Tono“ aus insgesamt 100 Versetten über die 8 Kirchentonarten.

Klanggewaltiger waren da die viersätzigen „Tavole di Luminosità“ (wohl zu übersetzen als „Tabellen der Helligkeit“) aus dem Jahre 2012 von Biagio Putignano, besonders hübsch dabei die hohen Glockentöne über liegendem Bass in „Campanules“ und die sich schlängelnden Melodieschleifen in „Spyrales“.

Endgültig dann hatte Barile die Zuhörerschaft in der Zugabe gepackt – mit einer Improvisation über den Hymnus „Veni creator spiritus“: Aus an- und abschwellenden Akkorden entwickelte sich dabei strahlend und am Ende dann mit vollem Werk triumphierend der Hymnus. Rainer W. Janka

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