Wann ist eine Frau eher ein Ausdruck von Poesie?

von Redaktion

Aldona Sassek zeigt in ihrer Herbstausstellung Frauenbildnisse, die eigentlich keine Frauen zeigen

Stephanskirchen – Sie kommen einem ziemlich flach vor, die Frauenbildnisse von Aldona Sassek, welche die Künstlerin in ihrer Herbstausstellung in Stephanskirchen präsentiert. Die verwendete Acryl-Technik ist ungeeignet, Tiefe in Gemälden zu veranschaulichen. Auf den zweiten Blick jedoch berühren die Werke.

Die Romantikerin lässt
die Bilder sprechen

Die der Fantasie entstammenden Frauen erschließen sich dem Betrachter, denn sie zeigen ihre Gefühle. Nicht jede der jungen Damen zieht einen gleichermaßen in den Bann. Vielleicht ist die eine zu traurig, dafür überwiegt bei der anderen wieder die innere Ruhe und die Kraft, die Freude, die auch ohne Lächeln auskommt. Sassek sind Inhalt und Form ihrer Bilder wichtig, um deren Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Die Bilder haben Inhalte, die leicht die Stimmung der abgebildeten Frauen zeigen. Niemand muss sich stundenlang vor ein Werk stellen und versuchen, etwas in die aufgebrachten Farben hineinzugeheimnissen und herausfinden, was die Künstlerin denn gemeint haben könnte. Sassek hat Frauen gemalt, Frauen mit Pflanzen, Frauen mit Tieren, Frauen mit Pflanzen und Tieren: „Ich lade die Menschen zum stillen Nachdenken ein über den Inhalt der Bilder. Ich bin eine Romantikerin. Ich liebe die Poesie und male Poesie.“ Die Bilder sprechen, Sassek selbst nimmt sich zurück. Warum soll sie auch sprechen und sich groß neben den Werken aufbauen, wenn die Betrachter ganz einfach in der Stimmung der abgebildeten Frauen schwelgen können. Die in London und New York ausgebildete Kunstmalerin verkauft ihre Werke gut und freut sich an ihrem umgebauten Bauernhof. Deshalb hat sie Zeit und Kraft, um Stephanskirchen und dem Landkreis Rosenheim immer wieder Neues anzubieten. Seit 30 Jahren bringt sie ihre Sicht von Kultur nahe.

Keine Frauen,
sondern Symbiosen

Das sind nicht immer nur Bilder in verschiedenen, teils schwierigen Techniken, etwa der Acryl-Malerei oder exakte Stimmungs- und Persönlichkeitsspiegel in Porträts mit, jawohl, Druckerfarbe! Neben den Bauernmärkten, den Bauerntheatern oder den Poesieabenden beheimatete der Bauernhof in Stephanskirchen zeitweise eine kleine Kunstakademie. Sassek interessiert die innere Ruhe, die Seele: „Ich habe eine Insel hier, in der Harmonie zwischen Pflanzen und Tieren und Menschen besteht. Die Bilder zeigen nicht Frauen, sondern eine Symbiose aus diesen Bestandteilen.“ In solchen Symbiosen sind Frauen keine Frauen, sondern Ausdruck von Poesie und Einheit von Pflanze, Tier und Mensch.

Am Wochenende 16./17. November sind Sasseks Symbiosen und Goldschmiedekunstwerke von Olivia Weinert noch mal im Hof von Sassek in Stephanskirchen, Kielinger Straße 145, jeweils zwischen 14 und 17 Uhr zu sehen.Werner Sperber

Artikel 10 von 11