Prien – Beim Herbstkonzert des Chiemgau Orchesters am morgigen Samstag im Priener König-Ludwig-Saal stehen neben Franz Liszt‘ Ungarischer Rhapsodie und Anton Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ das Konzertstück in F-Dur für vier Hörner und Orchester von Robert Schumann auf dem Programm. Unter Dirigent Matthias Linke werden neben Nikolaus Dengg, Sophia Keiler, Marco Baumann und Viktor Praxmarer die Solo-Partien am Horn übernehmen. Bekannte Werke, die in Programmheften von Konzerthäusern auf der ganzen Welt zu finden sind, und Grund genug, beim Hornisten Nikolaus Dengg, gefragter Hornist und Dozent, nachzufragen, was den Reiz des Konzertstücks ausmacht und warum er dieses Oeuvre ausgewählt hat.
Das virtuose Konzert für vier Hörner und Orchester F-Dur, op 86, von Robert Schumann wird die Konzertbesucher erwarten. Ist es für Hornisten das Werk schlechthin, das man mindestens einmal im Leben gespielt haben muss, oder warum haben Sie sich das Werk ausgesucht?
Das Schumann Konzertstück für vier Hörner ist, neben den Hornkonzerten von Mozart, Strauss und vielen anderen, ein Meilenstein in der Hornliteratur und der Traum eines jeden Hornisten, jeder Hornistin. Damit es aber nicht zum Albtraum wird, bedarf es eines gut eingespielten Hornquartetts sowie einer sehr intensiven Vorbereitung. Galt das Stück zur Zeit Schumanns als nahezu unspielbar, ermöglicht heute der Einsatz von Spezialinstrumenten einen entspannteren Zugang zum Werk. Aber auch ein Diskanthorn spielt sich nicht von alleine. Es erleichtert nur die Arbeit, der Respekt vor dem Werk bleibt. Aber auch die Spielfreude kommt nicht zu kurz. Vor fast genau 15 Jahren durfte ich als Solist bei zwei Aufführungen am Mozarteum Salzburg mit dem Universitätsorchester mitwirken. Die Euphorie, dieses Werk ein weiteres Mal aufzuführen, hat sich über die Jahre gehalten.
Was bedeutet Ihnen dieses Konzertstück?
Vor allem eine Herausforderung! Das Stück zählte damals zur „Avantgarde“ und wurde in der Musikwelt von sehr vielen Komponisten, Dirigenten und Musikern, und sogar von Schumann selbst hoch geschätzt! Schumann war in der Blüte seines Lebens und seiner Zeit voraus. Das Werk sprüht vor Lebensfreude und Energie! Ein absolutes Meisterwerk in jeder Hinsicht. Diesem Anspruch gilt es als Musiker gerecht zu werden, darin liegt die Herausforderung.
Das Ventilhorn, das erst vor gut 150 Jahren entwickelt wurde, gilt als eines der Instrumente, das sehr schwer zu erlernen ist. Warum haben Sie gerade dieses Instrument lernen wollen?
Das war eher Zufall. Eigentlich wollte ich Trompete lernen, aber die Instrumente waren alle schon vergeben. Zwei meiner Schulkollegen waren etwas schneller als ich, ein weiterer begann, Tuba zu spielen. Für ein Bläserquartett fehlte also nur noch ein sogenanntes „Es-Althorn“ Und die Musikkapelle hatte damals kein anderes Horn. Dieses zu erlernen war der Überredungskunst meines Lehrers Hans Gänsluckner geschuldet. Ihm verdanke ich auch den späteren Umstieg auf das F-Waldhorn. Der Klang dieses Instruments hat mich dann mehr und mehr fasziniert und in den Bann gezogen.
Wenn man heute in ein klassisches Konzert geht, sieht man eher mehr ältere Menschen als jüngeres Publikum. Muss sich generell an der Vermittlung von klassischer Musik etwas ändern, um noch mehr junge Leute anzusprechen, in klassische Konzerte zu gehen?
Ich beobachte, dass sich gerade heute wieder mehr junge Menschen für klassische Musik interessieren. Den Zugang finden viele über die Filmmusik, die ja auch nichts anderes als Orchestermusik im klassisch-romantischen Sinne ist. Auch in der Unterhaltungsmusik finden sich immer wieder Elemente aus der Orchesterliteratur. Viele Symphonieorchester bieten heute zudem ganz tolle und kreative Musikvermittlungskonzepte für Kinder und Jugendliche an.
*
Das Herbstkonzert des Chiemgau-Orchesters unter der Leitung von Matthias Linke findet morgen, Samstag, ab 19.30 Uhr im König-Ludwig-Saal in Prien statt. Auf dem Programm stehen Franz Liszt: Ungarische Rhapsodie, Robert Schumann: Konzert für vier Hörner und Orchester F-Dur, op 86 und Antonin Dvorak: Sinfonie e-Moll op.95, „Aus der Neuen Welt“. Karten sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
Interview: Elisabeth Kirchner