Zum Träumen schöne Klangverwandtschaft

von Redaktion

Stimmungsvolles Konzerterlebnis mit Andrea Wittmann und Rudi Zapf in der Abtskapelle St. Nikolaus

Seeon – Dass die Konzerte in der Seeoner Abtskapelle St. Nikolaus des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon, die Andrea Wittmann seit Jahren mit immer wechselnden Musikern gestaltet, von großer Beliebtheit sind, steht außer Zweifel.

„Kaum angekündigt, schon ausverkauft“, lachte die Kirchenmusikerin, als sie die Gäste am Treppenaufgang vor dem Eingang der Klosterkirche in Empfang nahm. Über eine uralte Holztreppe geht es hinauf in den ersten Stock, wo die große Holzflügeltür bereits offensteht und den Besuchern einen Blick ins kunstvoll gearbeitete Innere des Rokoko-Juwels freigibt. Inmitten Kirchenmalerei, vergoldetem Stuck und verzierten Fresken trifft dann Kunstgeschichte auf Musik – und das in intimer Atmosphäre eines geschichtsträchtigen Sakralraumes. Wenn Andrea Wittmann die einzelnen Gemälde an den Wänden und an der Decke erläutert, die Heiligen in Szenen ihrer göttlichen Berufung erklärt oder auf die unzähligen Engelchen hindeutet, dann läuft man fast Gefahr, sich eine kurzfristige Genickstarre einzuhandeln. Die löst sich dann aber beim Erklingen festlicher Barockmusik, um wohltuender „Tiefenentspannung“ zu weichen – dieses Mal ausgelöst durch eine seltene und besonders klangschöne Instrumentierung: Hackbrett beziehungsweise Knopfakkordeon oder Cembalo.

Zusammen mit dem Münchner Hackbrett-Virtuosen Rudi Zapf hatte Wittmann ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das an kaum einem anderen Ort so schön hätte klingen können. Wie wunderschön Hackbrett und Cembalo klanglich harmonieren, das erlebten die von der Musik beseelten Zuhörer in zwei Hackbrett-Sonaten von Carlo Monza (in C-Dur und in G-Dur) und der Hackbrett-Sonate in G-Dur von Melchior Chiesa. Klassische Musik am Hackbrett zu interpretieren ist wohl die Königsliga an diesem Instrument – und dazu benötigte Rudi Zapf nicht einmal Noten. Er schien die Werke verinnerlicht zu haben: Obwohl er sie, wie er verriet, seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt hat, schwebten die Schlägel wie durch Zauberhand über die Saiten und fanden in der Cembalobegleitung Wittmanns eine schöne Klangverwandtschaft.

Das Lied und Menuett in a-Moll von Johann Philipp Krieger ist ein echter Hörgenuss: majestätisch, edel und in volltönendem Klang. Dem schloss sich Wittmann mit dem beliebten Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel an. Längst waren nicht nur alle Saiten der Instrumente gut gestimmt, sondern auch die Zuhörer, die das von Wittmann gefühlvoll gesungene Ave Maria von Giulio Caccini genossen.

Damit sich die Zuhörer aber nicht allzu schwer in die Stuhllehnen fallen ließen, gab es von Zapf als willkommener Energieschub noch das Gondellied eines anonymen Komponisten und danach, an Hackbrett und Cembalo, eine Transkription von Antonio Vivaldis Sonata V in h-Moll obendrein.

Zwei Zugaben rundeten nach kräftigem Applaus die stimmungsvolle Soiree in der Abtskapelle ab. bek

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