Landkreis/Oberaudorf – Im Kursaal von Oberaudorf überreichte der stellvertretende Landrat Josef Huber die Kulturpreise des Landkreises Rosenheim. Den mit 2500 Euro dotierten Kulturförderpreis erhielt die Klarinettistin Elisabeth Dögerl aus Bad Endorf, den mit 1500 Euro dotierten Sonderpreis bekam das Doppelprojekt „Heiliges Grab und die Auferstehungsspiele“ in Aschau. Der mit 5000 Euro dotierte Kulturpreis ging an die von Markus Aicher gegründeten und geleiteten Oberaudorfer Musikfilmtage. Die Laudationes hielt Christoph Maier-Gehring, Kulturreferent des Landkreises.
Eine hervorragende
Klarinettistin und
Pädagogin
Die jetzt 24-jährige Elisabeth Dögerl aus Bad Endorf hatte ab dem neunten Lebensjahr Klarinettenunterricht, spielte bald in der Endorfer Jugendblaskapelle und dann in der Erwachsenenkapelle, die ihr Vater Peter Dögerl viele Jahre leitete. Am Ignaz-Günter- Gymnasium besuchte sie den musischen Zweig, spielte im Schulorchester und bei Kammermusikkonzerten mit. Nach dem Abitur startete Elisabeth 2013 ihr Studium am Mozarteum Salzburg und bei Albert Osterhammer, der bei den Münchner Philharmonikern spielt und in Bernau lebt. Ihr zusätzliches Studium der Instrumentalpädagogik hat sie 2017 mit dem Bachelor mit Auszeichnung abgeschlossen.
Nun studiert sie im Masterstudiengang Klarinette. Sie gastierte schon bei einigen professionellen Orchestern, u.a. bei den Reichenhaller Symphonikern, beim Oper im Berg Festival Salzburg und bei der Bläserphilharmonie Salzburg. Seit September 2019 ist sie nebenberuflich als Musiklehrerin in Prien tätig, in der Region spielt sie bis heute regelmäßig bei Gottesdiensten und Kirchenkonzerten.
Elisabeth Dögerl übernahm auch, zusammen mit dem Pianisten Thomas Schuch, der 2015 den Kulturförderpreis bekommen hatte, die musikalische Umrahmung des Abends. Beide spielten Stücke von Giuseppe Verdi, von Béla Kovács, Johannes Brahms und Francis Poulenc.
Heiliges Grab
„ein idealer
Sonderpreisträger“
2018 jährte sich die Geschichte des Aschauer Heiligen Grabes zum 400. Mal. Grund genug für den Heimat- und Geschichtsverein Aschau im Chiemgau als Hauptinitiator, das Heilige Grab wieder in der Pfarrkirche zu installieren. Schon 1618 war nach Aschau zu einem Heiligen Grab gepilgert worden, 1799 war ein neues gebaut worden, 1892 wurde es restauriert und war 1955 letztmals in der Aschauer Pfarrkirche „Darstellung des Herrn“ zu sehen.
2005 gab es dann ein Auferstehungsspiel im Mittelteil der Kulisse des Heiligen Grabes, aufgebaut in der Aschauer Festhalle. Dieses Stück von Autor Werner Hofmann um die Auferstehung Jesu wurde dann auch 2019 wieder in der historischen Kulisse gespielt, jetzt aber in der Pfarrkirche.
Von der Erzdiözese München-Freising wurde ein Großteil der Restaurierung finanziert – aber nur, weil die Gemeinde Aschau, die sich auch finanziell beteiligt hatte, ein schlüssiges Konzept vorlegen konnte. Das Heilige Grab war von Mitte März bis Anfang Mai 2019 in der Aschauer Pfarrkirche zu sehen. Die Auferstehungsspiele waren alle völlig ausverkauft. Nicht ganz einfach war die Suche nach einem geeigneten Jesus – bis schließlich Regisseur Werner Hofmann selbst die Rolle übernahm. Das Besondere war, dass auch Gott Vater persönlich auftrat und mit Jesus sprach. Insgesamt waren über 130 Mitwirkende auf und hinter der Bühne aktiv.
Musikfilmtage haben
sich internationalen
Rang erspielt
Ein „Bühnenzauber im besten Sinne“ sei es gewesen, konstatierte Maier-Gehring. Zum Projekt „Heiliges Grab“ gehörten auch eine ganze Reihe von besonderen liturgischen Veranstaltungen bis hin zum Pontifikal-Gottesdienst mit Kardinal Marx sowie drei große Konzerte in der Pfarrkirche. Maier-Gehring betonte, für ihn sei dieses Doppelprojekt „ein idealer Kultur-Sonderpreisträger“.
In beiden Projekten stecke spürbar viel Herzblut der Aschauer Vereine, Verbände und vieler Einzelpersonen. „Die Aschauer können stolz sein auf ihr Heiliges Grab und die Auferstehungsspiele sein“, sagte Maier-Gehring.
Die Oberaudorfer Musikfilmtage gibt es seit 2008, immer Anfang Juli an fünf Tagen. Dabei werden Filme gezeigt, in denen die Musik im Zentrum steht, eine wirkliche „Rolle“ spielt, seien es Spielfilme, in denen es um Musik geht, seien es besondere Konzert-, Tanztheater- und Opernmitschnitte oder Dokumentationen zum Thema Musik. „Längst haben“, stellte Maier-Gehring fest, „ sich die Musikfilmtage Oberaudorf einen nationalen, ja internationalen Rang erspielt, sie sind weit über die Landkreis- und Landesgrenzen hinaus bekannt und renommiert.“
Bei den vergangenen zwölf Festivals seien über 170 lange Filme sowie zahlreiche Kurzfilme gezeigt worden, die Besucherzahlen seien kontinuierlich gestiegen bis auf 3000 Besucher heuer. Dabei gibt es immer ein Filmmusikkonzert im Kurpark, eine Open-Air-Vorstellung und am Sonntag den legendären Filmgesprächs-Frühschoppen mit Schauspieler, Regisseuren, Produzenten oder Musikern. In einem kleinen Film mit Glückwünschen für die Filmtage meinte einer der Gratulanten: „Das ist der Mozart unter den Festivals!“
Das ganze Team arbeitet ehrenamtlich, „und dennoch ist das Filmfestival ein hoch professionell geführtes“, sagte Maier-Gehring. Markus Aicher sei „nicht nur der Erfinder, der Musikfilmtage, deren Spiritus Rector und unermüdliche Antreiber, sondern auch ein langjähriger Filmredakteur mit den besten Kontakten in die Filmszene: ein ausgebuffter Profi halt“. Mauer-Gehring führte auf der Bühne dann ein sehr lebendiges Kurzinterview mit dem so Hochgelobten, der dabei seinen Herzenswunsch offenbarte: ein Kulturhaus in Oberaudorf, vielleicht sogar im Kloster Reisach.