Bad Aibling – Die Veranstaltungsreihe „Saitensprünge“ geizt nicht mit Höhepunkten. Die lange Nacht der Gitarren: „Guitarrissimo“ sticht hier dennoch heraus. Sieben Künstler von Weltgeltung und verschiedensten Genre´s an einem Abend auf der Bühne, das bietet nur Bad Aibling.
Eingetaucht in dieses Erlebnis sind die Besucher mit Pedro Navarro und seinem kongenialen Partner Lois Castan. Spanische Gitarre, das bedeutet Andalusien, Flamenco und Gypsysound, also faszinierende, treibende Rhythmen und Akkorde, von den Gästen begeistert angenommen.
Variationen des Gitarrenspiels
Andrea Vettoretti wartete mit einer ungewöhnlichen, aber überzeugenden Variation auf. Er wurde begleitet von Riviera Laze am Cello. Beide skizzierten musikalische Figuren aus „Alice in Wonderland“. So turnte akustisch die „Grinsekatze – Cheshire Cat“ über die Bühne und die zugedröhnte Raupe „Caterpillar“ zauberten die beiden Künstler hörbar vor das innere Auge der Zuhörer. Unnötig zu sagen, dass all dies mit ungeheurer Brillanz und Präzision geschah. Wenn auch Vettorettis Gitarre die Szene beherrschte, so war das Cello, dessen Vibrato für glaubhafte Spannung sorgte, doch unverzichtbar. Sönke Meinen riss auf Anhieb das Publikum von den Sitzen. Unmöglich, zu entscheiden, ob er ein Gitarre spielender Artist oder ein artistischer Gitarrenspieler ist. Er stieg mit einem Swing aus den 40ern ein und wie er dabei über sein Griffbrett raste, das war mit den Augen kaum nachzuverfolgen. Er ist wahrhaft ein Phänomen. Mit seinem „Perpetuum Mobile“ wurde seine Gitarre zum Melodie-, Slice- und Perkussion-Instrument gleichzeitig. Ebenso träumerisch aber machte er aus seinem Instrument ein wahrhaftiges „Minne-Holz“.
Um das Kontrastprogramm zu komplettieren, boten die Veranstalter mit Antonella Mazza und Susana Raya ein Duo auf, das seinesgleichen sucht. Die Sängerin und Gitarristin Mazza präsentierte zunächst solo eine melancholische Melodie im Stile eines portugiesischen Fado. Zusammen mit Susana Raya am Kontrabass interpretierten beide ebenso eigenwillig wie überzeugend Marilyn Monroes Song „My Heart belongs to Daddy“. Dabei erstaunte Susana Raya mit einem furiosen Bass-Solo. Völlig aus dem Häuschen war das Parkett, als die beiden „Sunny“ von Marvin Gaye intonierten.
Frappierend wiederum die Übergänge zu Pedro Navarro und seinen elegisch klagenden Hirtenmelodien aus den andalusischen Bergen. Die melodisch gegenläufigen, aber perfekt abgestimmten Kontrapunkte und verdeckten Parallelen waren wahrhaft hinreißend. Ebenso berauschend, wenn Navarro sich selbstvergessen in der Tiefe und Intensität eines heißen Flamenco verlor.
Noch einmal bewies Sönke Meinen seine unglaubliche Musikalität und Fingertechnik, als er mit „Harlekins Walz“ in einem Stück verschiedenste Stile und Interpreten verband.
Es ist seit Jahren schon Kult, dass alle Interpreten zum Abschluss – so verschieden sie sind – ein gemeinsames Stück spielen und das Publikum miteinbeziehen. Dazu einigten sich die Künstler auf „Oye como va“ von Santana, wobei die Besucher singend und klatschend enthusiastisch mitmachten und noch getragen von dieser Session schließlich den Heimweg antraten.