Im Keller wimmelt es vor Leichen

von Redaktion

Theaterinsel Rosenheim spielt „Arsen und Spitzenhäubchen“

Rosenheim – Still und friedlich ist das alte Haus der ältlichen Schwestern Brewster in Brooklyn, in dem der Pastor und die Polizisten mit Tee und Keksen versorgt werden. Und in das Mortimer Brewster, der Neffe der Schwestern, kommt, um die Verlobung mit Elaine, der Pastorentochter, bekanntzugeben. So beginnt „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring.

Doch bald tauchen Leichen auf und verschwinden, ein Mensch mit Monstergesicht und ein wahrer Dr. Frankenstein erscheinen, vergifteter Holunderwein sorgt für neue Leichen, bald wimmelt es vor begrabenen oder erzählten Leichen, während ein bühnenversessener Polizist dem gefesselten Mortimer sein neues Bühnenstück erzählt – und Mortimer hat viel zu tun, die Polizisten mit immer neuen Geschichten ruhigzustellen.

Rasante Groteske,
rasant zu spielen

„Arsen und Spitzenhäubchen“ ist eine der lustigsten, schwarzhumorigsten und rasantesten Kriminalgrotesken und eine der besten Screwball-Komödien: Diese zeichnen sich durch hohe Dialoglastigkeit mit schnell gesprochenen Dialogen, intelligentem Wortwitz, rasantem Tempo und einer raffiniert konstruierten Handlung aus: eine sehr große Herausforderung für jede Bühnentruppe. Man muss nur auch rasant spielen.

Die Theaterinsel Rosenheim hat es – unter der Dreifach-Regie von Toni Müller, Daniel Burton und Luca Kronast-Reichert – gewagt. Das rasante Tempo ist nicht immer gelungen. Gesprochen wird nicht immer mit Vollgas, es gibt viele Kunstpausen-Bremsvorgänge – entweder verlangsamt Klaus Paschke als Pastor die Handlung oder Marie-Elliot Gartner und Birgit Schier als die betulichen Tantchen werden langsam, wenn sie bedeutsam werden. Und deutsche Zungen sind wohl insgesamt weniger wendig als amerikanische. So werden es doch – mit Pause – über drei Stunden, bis das harmonische und überraschende Ende kommt.

Publikum gluckst
und lacht verblüfft

Die raffiniert konstruierte Handlung wirkt, die Gluckser im Premierenpublikum wandeln sich in verblüffte Lacher, wenn die verrückte Handlung immer grotesker, immer überdrehter wird, wenn sich die Mörder im Morden immer mehr überbieten.

Die Riesen-Textmenge bewältigen die Schauspieler sehr gut. Fabian Behr als smarter und wortgewandter Mortimer wirft seine Verlobte Elaine (keck und ein bisschen frivol: Angela Putner) wechselweise ständig raus oder will sie sofort heiraten und staunt mit stetig weiter aufgerissenen Augen immer mehr über das heimliche Morden seiner Tanten. Besonders gut ist Alexander Rathmacher als schnittverschmierter Serienmörder Jonathan mit kalt glitzernden Augen und bös-lauernder Stimme. Sein ihn daueroperierender Doktor bleibt im Spiel von Justus Dallmer etwas unentschieden-beiläufig. Einen gelungenen Auftritt hat Sophie Pölcher als der Polizist, der heimlich Krimistücke schreibt und deren Handlung ausführlich vor dem gepeinigten Mortimer ausbreitet.

Ein tödlicher
Holunderwein

Die besten Momente haben die Schwestern Brewster, wenn sie leise summend beim Bereiten des Abendessens gestehen, wie sie ihre vielen Opfer mit vergiftetem Holunderwein töten.

Wenn die Premierennervosität verschwunden sein wird, wird sich sicherlich die Dauer des Abends verkürzen, werden sicherlich die Dialoge sich rasanter verschränken und die Komödienmaschine wird sich wesentlich geölter drehen.

Gelegenheit dafür bietet sich an weiteren Terminen bis einschließlich Sonntag, 29. Dezember, jeweils 20 Uhr, an Sonntagen schon um17 Uhr. Karten gibt es unter 08031/9008203 oder unter theaterinsel.de.

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