Mit Mut auf die Opernbühne: Abschiedskonzert von Thomas Mandl

von Redaktion

Innphilharmonie mit beliebten Opernchören und Zugaben

Rosenheim – Dieses Konzert im Kuko war auch sein Abschiedskonzert: Nach sieben Jahren verlässt Thomas J. Mandl die Rosenheimer Innphilharmonie, um Direktor der Kirchenmusikhochschule Tübingen zu werden.

Martin Huber, Vorsitzender der Innphilharmonie, sagte vor dem Konzert, Mandl habe „Bewährtes bewahrt, aber auch neues Repertoire erschlossen“. Auch das Programm lobte er: „Selten aufgeführte Werke, eine mutige Zusammenstellung der Konzertprogramme und die Öffnung zu lange nicht aufgeführten Gattungen brachten eine interessante Farbe.“ Dies zeigte sich aufs Beste in diesem Konzert.

Neues Repertoire, lange nicht aufgeführte Gattungen: Opernchöre hatte der frühere Musikverein und die jetzige Innphilharmonie wahrlich nicht als Konzertinhalt. So war es mutig, statt Bach-Oratorien auf stimmprotzende Opernchöre und -arien zu setzen. Der Erfolg war sichtbar: Das Kuko war bestens verkauft.

Mandls Kontakte zu Europas Opernhäusern zahlten sich aus: Die Opernsänger waren allererste Klasse. Sofija Petrovic (Belgrad) singt vor allem an der Opéra Bastille in Paris. Sie verfügt über ein immenses Stimmpotenzial, das sie in der „Casta-diva“-Arie aus Bellinis „Norma“ voll ausreizte. Dabei gab sie der Rolle der Priesterin eine imperiale Aura. Ganz wohl fühlte sich ihr üppig-voluminöser Sopran in der Arie „La vergine degli angeli“ aus Verdis „La forza del destino“, während in der Arie des Orfeo aus Glucks „Orfeo ed Eurice“ das leis lockend Liebende etwas zu kurz kam.

Iurie Ciobanu (Moldawien), der schon an der Wiener Staatsoper sein Debüt gab, ist das Idealbild eines italienischen Tenors: mühelos der Stimmansatz, groß aufblühend die Stimme, verführerisch das Timbre. Mit feurigem Dauerüberschwang und überbordender Italianità sang er die Bildnis-Arie aus Mozarts „Zauberflöte“, tadellos mit mehr Metallglanz die Arie „E lucevan le stelle“ aus Puccinis „Tosca“ und mit schön attackiertem hohem A die unsterbliche „Nessun-dorma“-Arie aus „Turandot“. Beifallsstürme aus dem Publikum waren den Sängern sicher. Neu war die Gattung „Oper“ in der Tat für Orchester und Chor, sodass Mandl manchmal abwinken und neu beginnen musste. Mutig folgten ihm aber alle. Er selbst fühlte sich in dieser Gattung so wohl, dass er im Eingangschor der „Cavalleria rusticana“ von Mascagni die Musiker mit Hüftwackeln zum rustikalen Tanz animierte.

Zögerlich begann das Orchester die „Zauberflöten“-Ouvertüre, knallig-sicherer mit blitzenden Bläsern. Mitreißend wurde es in der „Norma“-Ouvertüre und süffig im „Intermezzo“ aus „Cavalleria rusticana“.

Der Schlusschor der „Zauberflöte“ schien dem Chor am vertrautesten, der Begleitchor zur „Casta-diva-Arie“ war mädchenhaft-scheu, der Einzug der Gäste auf der Wartburg für Geigen und Männerstimmen forderte heraus. Rainer Janka

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