Bad Aibling – Auf der Bühne im großen Kursaal von Bad Aibling stehen verstreut Postpakete. Auf einem thront die Büste eines griechischen Philosophen. Mehr Requisiten benötigt Kabarettist Bruno Jonas nicht, um das Publikum mit seinem hintergründigen Programm „Nur mal angenommen“ auf geistreich-vergnügliche Weise zu unterhalten.
Packls annehmen –
und das ohne Diplom
Denn immer wieder klingelt es bei ihm an der Haustür. Jonas, der „unbekannte Mitarbeiter von DHL“, hat die nervige Aufgabe, für seine Nachbarn „Packls“ entgegenzunehmen, auch, wenn ihm zum „Dipl.-Packl“ noch der „kleine Paketschein“ fehlt.
Der Politiker, der wie
ein Erlöser aussieht
Natürlich greift Jonas in seinem Programm scheinbar beiläufig, genüsslich boshaft und temporeich dankbare Themen wie Trump, die Digitalisierung und den Klimaaktivismus auf. Gleich zu Beginn stellt er dem Publikum die Frage: „Glauben Sie, dass das Richtige falsch wird, wenn es der Falsche sagt?“ und lässt deren Beantwortung den ganzen Abend offen.
Die bayerischen Politiker, etwa der schon optisch wie ein Erlöser aussehende Toni Hofreiter der „Grünen Religionspartei“, zeichneten sich laut Jonas durch Ausnahmeintelligenz aus, „da musst woanders lang suchen.“ Grüne forderten für Senioren bereits „betreutes Untergehen“. Die „Aufforstung mit Windrädern“ dauere nämlich viel zu lang, denn in zehn Jahren sei der „Point Of No Return“ erreicht, „dann ist´s aus.“ Die Rettung sieht Jonas – das schien dann doch etwas grenzwertig – in einer „netten“ Ökodiktatur, vielleicht einer Doppelspitze, nach dem Motto „Diktatur For Future“. Witzig und treffend nahm der Kabarettist die Auswüchse der Digitalisierung aufs Korn. Er selbst brauche zwei Smartphones, da er das erste immer liegen lasse. Ein Schrittzähler, klärte Jonas die Hörer auf, zähle nicht im Schritt.
Eine „Blasen-App“ sende, sobald die Blase zu zwei Dritteln gefüllt sei, ein sanftes Signal mit dem Hinweis „Bitte Toilette aufsuchen.“ „Google earth“ zeige dann alle Toiletten in der Nähe an. Der gendergerechten Sprache kann Jonas nichts abgewinnen. Die amerikanische Gender-Göttin Judith Butler wolle den Unterschied zwischen Mann und Frau einfach weglassen, behaupte gar: „Die wirkliche Frau ist eine gesellschaftliche Fiktion.“ Wenn der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm sagt: „Die Vernunft gehört zu Deutschland“, müsse jeder Angst haben, Seehofer könnte eine Obergrenze fordern, so Jonas.
Rasch und routiniert wechselte Jonas die Themen. „Ich bin froh, dass die AfD im Bundestag ist“, beruhigte er das Publikum, denn „jetzt wissen wir, wo´s san.“ Annegret Kramp-Karrenbauer habe gefordert, politische Verantwortung in der Welt zu übernehmen. „In Russland aber erst im Frühjahr“, empfahl Jonas zynisch, und, mit Blick auf historische Erfahrungen, vorsichtshalber „auch die lange Unterhose mitnehmen.“ Die USA würden mit einer „Enttrumpisierung“ von Trump befreit.
Und zum Schluss: „Ich
bin ein Klugscheißer“
Sokrates, laut Jonas „alter Grieche, schuldenfrei“, habe geglaubt, der Mensch sei vernunftbegabt. Mit seiner Erkenntnis „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ sei er sozusagen der Erfinder der abendländischen Ironie.
Dass Jonas, der große Ironiker, auch Gitarre spielen, singen und reimen kann, demonstrierte er augenzwinkernd mit seinem Lied „Ich bin ein Klugscheißer“ und einem launigen „Konjunkturgedicht“. Den wiederholten Rat seiner Frau, er solle nicht so gescheit daherreden, hat er an diesem Abend zur Freude des begeistert applaudierenden Publikums nicht beherzigt.