Königin krönt sich morgen selbst

von Redaktion

Konzert auf neuer Orgel in der Basilika

Tuntenhausen – Sie ist die Königin der Instrumente und krönt sich am morgigen Sonntag selbst: die barocke Orgel in der Basilika Tuntenhausen. Beide, Gotteshaus und Orgel, wurden renoviert und restauriert. Morgen gibt es also mit der Wiedereröffnung der Basilika und der Orgelweihe nebst Konzert (um 16 Uhr) eine Doppelfeier.

Die vorherige doppelte Baustelle (Kirche und Orgel) war der Grund dafür, dass es geschlagene 17 Jahre dauerte, bis der Neubau der Orgel im alten Gehäuse von 1749 angepackt werden konnte. Denn: Warum eine Orgel erneuern, wenn drumherum, nämlich die Kirche selbst, zur Baustelle werden muss. Das machte Alois Linder deutlich. Seine Orgelbau- und Restaurierungswerkstatt in Nußdorf brachte das Kircheninstrument nun wieder zum Glänzen und Singen.

„Bei großen und wichtigen Orgelbauprojekten ist Geduld und Ausdauer nötig“, erklärt Linder den Weg von der Auftragserteilung, der Vertragsunterzeichnung im Juli 2017 bis hin zum Bau und der Aufstellung nebst der morgigen Weihe.

Die neue Orgel hat 24 Register und insgesamt 1298 Pfeifen – davon 885 Metallpfeifen, 278 Holzpfeifen (aus Fichtenholz von den Nußdorfer Bergwäldern) und 135 Zungenpfeifen.

Für die Herstellung des Instrumentes waren etwa 6000 Arbeitsstunden nötig. „Die Dimensionen des Gehäuses“, sagt Linder, „sprengten fast die Möglichkeiten unserer Werkstatträume. Deshalb mussten wir es in zwei Etappen aufbauen“.

So wurden die großen Bälge nach dem „Neubau“ erst im Kirchenraum montiert und dann mit dem Orgelwerk verbunden. „Doch trotz aller Anstrengungen war es auch eine schöne Erfahrung, dieses Instrument bauen zu dürfen“, so das Fazit.

Das historische Gehäuse sollte in jedem Fall wiederverwendet werden. Vorschlag der Experten: „Die ursprüngliche Disposition der Orgel als Grundlage zu nehmen und sinnvoll zu erweitern“. Denn Bestandsuntersuchungen, wie sie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege einforderte, hatten ergeben: „Von der Orgel war nur noch die Gehäusefront erhalten, das Pfeifenwerk stammte komplett vom letzten Umbau der Orgel im Jahr 1953“, schildert Linder.

Er weiß um ein Kuriosum: „Bei diesem schwerwiegenden Eingriff wurde auch das Gehäuse um circa 42 Zentimeter in der Tiefe gekürzt und verlor dadurch sämtliche statische Funktion. Die ursprüngliche Tiefe der Orgel ließ sich anhand von Spuren in der Stuckdecke der Kirche rekonstruieren.“ Und warum die Kürzung? „Der Chor sollte mehr Platz haben.“

Auch die im Pfarrhaus aufbewahrten, originalen Manualklaviaturen lieferten Hinweise auf die ursprüngliche Konzeption der Orgel. In der Turmkammer war zudem noch der Rest einer Balgplatte erhalten, später zu einer Tür umgebaut. „Bei den einzelnen Arbeitsschritten ist sowohl handwerkliches Geschick als auch eine gute Portion Idealismus nötig“, sagt Linder. Wichtig war ihm: Orgel und historisches Gehäuse müssen wieder eine Einheit sein. Die Statik des Gehäuses wurde so ertüchtigt, dass es ohne zusätzliche Konstruktionen die Windladen (sie verteilen den vom Gebläse oder Balg kommenden Wind auf die einzelnen Pfeifen) und alle Pfeifen tragen kann.

Und da über Fichtenholzkanäle der „Wind“ in die Orgel geleitet wird, wird eine singende Ansprache der Pfeifen erreicht, freut sich Linder.

Der Organist

Balthasar Baumgartner, 1983 in Bad Tölz geboren, wuchs in Ostermünchen auf. Er war, solange dies beruflich möglich war, Zweiter Vorsitzender des Orgelbauvereins Tuntenhausen. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen. Aktuell ist er Dozent am Kirchenmusikseminar Meppen (C-Ausbildung), seit 2018 auch Kantor in Lingen. Morgen wird Baumgartner die neue Orgel erstmals öffentlich zum Singen und Klingen bringen. Er spielt auch Werke von Bach, Choräle sowie „Gott mit dir, du Land der Bayern“ (Franz Lehrndorfer).

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