Als „Zuagroaste“ Kultur an den Simssee mitgebracht

von Redaktion

Interview Aldona Sassek und Olivia Weinert : „Galerie im Stall“

Stephanskirchen – „Zuagroaste“ gibt es viele in der Region. Meist bringen sie Neues mit, das das Leben bereichert. 1989 eröffneten Aldona Sassek und Olivia Weinert ihre „Galerie im Stall“ im Weiler Kieling. 1981 waren die Goldschmiedinnen, 26 und 29 Jahre alt, aus dem polnischen Posen in die Bundesrepublik gekommen.

Wie überwanden Sie den „Eisernen Vorhang“?

Weinert: Mein damaliger Ehemann lebte als Spätaussiedler in Düsseldorf. Er wollte mit mir und unserer neunjährigen Tochter nichts zu tun haben. Wegen der Scheidung reiste ich mit einem Zwei-Tage-Visum ein und blieb. In Polen wurde Kriegsrecht ausgerufen.

Sassek: Wegen politischer Aktivitäten wurde ich vom Regime verfolgt, verhaftet und gefoltert. Mit einem gefälschten Visum kam ich in die Bundesrepublik. Hier wurden mein Titel als Goldschmiedemeisterin und Olivias als Gesellin nicht anerkannt. In München haben wir die Prüfungen wiederholt.

Wie haben Sie Wohnung und Arbeit gefunden?

Sassek: Durch Zufall lernte ich die Tochter des Radiologen Dr. Pummerer aus Riedering kennen. So kamen wir drei in Tinning unter. Der Politiker Hans Graf Huyn und der Chiropraktiker Dr. Martin Schönberger unterstützten uns. Wir machten uns als Haushaltshilfen, Gärtnerinnen und Handwerkerinnen nützlich. 1988 renovierten wir in Kieling unseren Bereich des Bauernhofs.

Woher kam die Idee, den Stall als Kulturraum zu nutzen?

Von der Rosenheimer Fotografin Margrit Jacobi, deren Bilder wir ausstellten. Horst Halsers Backstage-Theater spielte hier ab 1997, es gab Konzerte, Kabarett und Lesungen bis 2014. Wir waren Vorreiter, Privaträume als Galerien zu nutzen.

Olivia Weinert, wie würden Sie Ihre Schmuckkreationen charakterisieren?

Ich arbeite viel mit Symbolik, hergeleitet aus der Kunstgeschichte. So entstehen Ringe, Ohrringe, Halsschmuck, Broschen – Unikate.

Aldona Sassek, wie kamen Sie zur Malerei?

Mit zwölf Jahren habe ich angefangen zu malen. Ich sang im Chor, hatte Musik- und Ballettunterricht. Mit 16 bekam ich Privatunterricht bei einem Maler, war auf der Kunstschule Warschau. Später studierten wir Kunstgeschichte und Malerei in München und London.

Aldona Sassek, Sie haben auch Kurse gegeben, in welchen Techniken?

Grafik und Aquarell-, Acryl- und Ölmalerei, Kunstgeschichte und Komposition.

Sie bieten ein großes Spektrum an Bildern von und über Menschen. Wie bezeichnen Sie Ihren Stil?

Ich verbinde in meinen Gemälden zeitgenössisch Figuratives mit Abstraktem. Bei Porträts mit Kohle kommt es mir auf das „innere Leuchten“ an, das auf den Bildern aus den Gesichtern strahlt.

Interview: hendrik heuser

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Noch heute, Samstag, und morgen, Sonntag, ist die „Galerie im Stall“ von 14 bis 17 Uhr bei Baierbach an der Kielinger Strasse 145 geöffnet.

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