Sieben Seligkeiten präsentiert

von Redaktion

Wasserburger Bach-Chor singt das Brahms-Requiem in Wasserburg und Bad Endorf

Wasserburg/Bad Endorf – Die beiden Konzerte des Wasserburger Bach-Chores in Wasserburg und Bad Endorf standen ganz im Zeichen von Johannes Brahms: Anfangs spielte das auf neun Instrumente reduzierte Orchester als Einstimmung das Adagio aus der Serenade Nr. 1 ohne Dirigentin: Der sonst so sämige Orchesterklang wirkte etwas skelettiert, die Bläser dominierten, aber der Zweck der Einstimmung war erreicht.

Die „letzte Posaune“
möchte man hören

Das Orchester war auch beim Brahms-Requiem eingeschränkt, Angelica Heeder-Loosli hatte die Kammerorchester-Version von Joachim Winckelmann gewählt. Dabei fehlt keine Note, aber die eine oder andere Farbe: Wenn der Bariton die „letzte Posaune“ beschwört, möchte man die auch hören. Ebenso das Hinaufschweben der Seelen im Harfen-Arpeggio ganz am Schluss.

Dafür aber lag das musikalische Hauptgewicht beim Chor. Und der wucherte mit seinen Pfunden: Bestens einstudiert war er ganz auf die Dirigentin fokussiert, die Begeisterung war den hellwach und aufmerksam agierenden Sängern anzusehen, die Aussprache war perfekt, nur die „Tränen“ und das „Weinen“ hätten noch eindrücklicher artikuliert werden können. Chorbestimmend war der aufgehellte Sopran, der zahlenmäßig kleine Tenor übersteuerte nie, sondern blieb immer geschmackvoll und geschmeidig, solide waren die übrigen Chorstimmen.

Fließende Übergänge
ohne Angstschweiß

Angelica Heeder-Loosli gelang eine insgesamt würdig-ernste, aus- und eindrucksstarke Interpretation, sie präsentiert die sieben Sätze wie die sieben Seligkeiten. Sanft-selig und anrührend lebenshoffend begann der Chor, obwohl es hier um den unerbittlichen Tod geht. Vergängnisbewusst und todeswuchtig erklang der Trauermarsch des zweiten Satzes („Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“), der durch die dumpf drohende Pauke markiert wird. Vor allem klappten, auch in den übrigen Sätzen, die schwierigen Übergänge, die Fugen hatten einen guten Zug und kamen ohne Angstschweiß daher.

„Wie lieblich sind deine Wohnungen“, sang der Chor wirklich lieblich in schön fließendem Tempo. Den sechsten Satz („Denn wir haben hie keine bleibende Statt“) artikulierte der Chor scharf und konsonantenbetont und verlachte fast den Tod mit seinem Stachel – im von Brahms gewählten Dreiertakt. Michael Kranebitter mit angenehmem Baritontimbre kommt ohne dauerdonnernden Prophetentöne aus, blieb immer natürlich und wagte auch ein Piano da, wo es hingehört. Nur in den Höhen versteift sich seine Stimme ein wenig.

Obwohl der Sopran nur eine einzige Arie hat, die auch noch unangenehm hoch einsetzt, wurde diese Arie zum Mittelpunkt. Frei schwebend und gelöst, mit innigem trostversprechendem Glanz, mütterlicher Zartheit und müheloser Höhe sang Priska Eser. Ihr Sopran verschwisterte sich aufs Beste mit dem hier besonders schmiegsamen Orchesterklang. Selten hat der Rezensent diese so schwierige Arie so unangestrengt und liebreich-warm gehört. Sie konnte die fehlende Heizung in der Jakobus-Kirche von Bad Endorf fast ersetzen. Ein Großteil des langanhaltenden Applauses galt auch ihr.

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