Rosenheim – Nur alle paar Jahre erscheint die Rosenheimer Kabarett-Truppe „s’Breedl“ auf der Bühne – aber dann! Sie hat sich seit dem Ende des früheren Kabarett-Ensembles „Die Wadlbeißer“ als deren legitime Nachfolger etabliert. Ihr neues Programm „Bei uns in Fletzing“ ist ein „Muss“, ein erfrischender kabarettistisch-bajuwarischer Rundumschlag der Sonderklasse.
Hirntratzerl statt Schenkelklopfer
Daran können sich manche professionelle Ensembles ein Beispiel nehmen: Vom ersten Moment an zündende Nummern, absolut textsicher gebracht, mit viel Tempo, Stimm- und Körpereinsatz, spätestens alle 15 Sekunden ein hochvergnüglich-qualifiziertes Hirntratzerl anstelle platter Comedy-Schenkelklopfer – das haben wir lange nicht mehr erlebt: aber jetzt hier in der ausverkauften Theaterinsel.
Drei Klappstühle und furiose Protagonisten
Hubert Fischer, Stefan Hanus, Willy Maier und Alois Schmidmayer haben ein Nummern-Kabarett auf die Beine gestellt, das vollkommen überzeugt. In der vorweihnachtlich geschmückten Stube warten drei Klappstühle um einen Tisch auf die Besetzung – und dann stürmen die Protagonisten herein, beginnen furios „dahoam“ in der fiktiven Landgemeinde Fletzing, wo unterhalb der Kampenwand ein Dorffest der CSU zu organisieren ist. In der Diskussion über die Gestaltung und Begrüßungsrede – „Bayern zerscht!“ – des örtlichen Kandidaten (überzeugend: Alois Schmidmayer) werden bereits etliche aktuelle Themen aufgespießt, darunter: ob es für Asylbewerber einen Extra-Klowagen braucht, und dass „wir unsere eigenen Leit wieder integrieren müssen“.
Weißwurst zuzelnd läuft ein Interview
Offensichtlich ist das Fest ein Erfolg geworden, denn in der nächsten Nummer sitzt der Kandidat nun als EU-Heimatkommissar in Brüssel und lässt sich weißwurstzuzelnd von zwei hochdeutsch parlierenden Presseleuten (Hubert Fischer und Stefan Hanus) interviewen und fotografieren – je länger, je kruder die Antworten, getragen von Fletzingers Weltsicht: „Heimat ist nix für Weicheier.“ Begleitet von Willy Mayer am Akkordeon, erklingt sodann die Fletzinger Hymne, ein volksdümmliches Kitschkonglomerat rund um Chiemsee und Simssee.
Der Fund des Fluchtkoffers eines verstorbenen Familienmitglieds, das bei der RAF war, gibt die Idee zur Gründung der terroristischen Vereinigung „Kommando 1543“ zur Entführung von Prominenten, aus der aber nichts wird. Das von der Bayerischen Staatsregierung im Raumschiff Bavaria I ins All entsandte Trio zur Auffindung von extraterrestrischem Baugrund samt Ausgleichsflächen auf dem Planeten „Hofreiter 1“ vergnügt das Publikum mit äußerst skurrilen Plänen. Glänzend agiert Hubert Fischer als Beamter, der im Alleingang am Telefon einem Reisewilligen dessen Öko-ID-Konto wegen einer Fernreise erläutert. Eine weitere Gesangseinlage untermalt die Erkenntnis, dass „nur noch Glump verkauft wird“.
Abgesang ist einer Partei gewidmet
Nach weiteren Szenen, die allesamt das hohe Niveau halten, kommt Willy Mayer vom Keyboard als Manitou zum „runden Tisch“ der Religionsstifter dazu.
Nach dieser Schlussnummer brandet stürmischer Beifall auf, und nach dreimaligen „Vorhängen“ widmet der „Bühnen-Treibauf“ Stefan Hanus die Zugabe mit seinen Kollegen der siechen SPD in der Hoffnung, dass, wie auf der Alm, nach dem Abtrieb auch wieder ein Auftrieb erfolgt.