Im Fokus: die Farbe Rot und der Apfel aus Holz

von Redaktion

Villa Maria zeigt Werke der Künstlerinnen Ursula Bolck-Jopp und Regina Marmaglio

Bad Aibling – Traum und Wirklichkeit begegnen sich in den Arbeiten der beiden Künstlerinnen Ursula Bolck-Jopp und Regina Marmaglio, die derzeit die Villa Maria präsentiert.

Die Bilder von Ursula Bolck-Jopp sind von unnachahmlicher Leichtigkeit, einige aufs Blatt geworfene Zeichen lassen vor dem geistigen Auge des Betrachters ganze Geschichten entstehen. Die Malerin bildet die Welt nicht ab, sondern gestaltet sie emotional, setzt ihre Schwerpunkte nach Gutdünken. Auf dem Weg über Denken und Empfinden kann man sich diesen kleinformatigen Arbeiten nähern.

Rote Hundeleine
als „roter Faden“

Rechts im Bild ein paar rote Highheels, eine Hundeleine, die als einziger Bildinhalt die Mitte des Werkes durchspannt, ganz links ein Hund, nur angeschnitten, der hinter seiner Herrin herhechelt. Kein Hinweis auf das „woher“ oder „wohin“ Die rote Leine kann als roter Faden durch das gesamte zeichnerische Werk von Ursula Bolck-Jopp betrachtet werden, denn bereits vorhandene rote Linien, die als Randmarkierung in den von der Künstlerin bevorzugten Gebrauchspapieren vorkommen, werden in ihre Bilder mit einbezogen. Sie dienen als Wäscheleine, Horizontlinie oder Sitzfläche. Eine Frau mit roten Haaren taucht häufig in den Bildern auf, selten sieht man sie ganz, eher ihr angeschnittenes Porträt im Spiegel, ihre Beine mal mit, mal ohne rote Schuhe, und es ist ein vergnügliches Spiel, ihr in den Zeichnungen nachzuspüren.

Und dann gibt es noch die Frau in Acryl auf Leinwand. Schwarz grundiert ist das große Bild, und auf einer Schaukel schwebt – in weißen Farben gehalten – wieder diese mysteriöse Gestalt. Die Seile der Schaukel werden nach oben hin immer weniger sichtbar, verschwinden zuletzt im dunklen Nichts: der Gedanke von absolutem Losgelöstsein stellt sich ein.

Erdverbundener zeigen sich die Holzarbeiten der Bildhauerin Regina Marmaglio. Auch bei ihr ist die menschliche Gestalt Thema, hölzern im doppelten Sinn des Wortes stehen Personen in unterschiedlichen Größen auf ihren Sockeln. Immer ist der Ausdruck ihrer Augen erstaunt, auch leicht erschrocken, und der Gruppe der Schwimmer ist es offensichtlich kalt, denn sie verharrt mit hochgezogenen Schultern.

Der Mensch ist
immer einThema

Mehr noch aber setzt sich Regina Marmaglio mit der Natur auseinander. Drei Wandreliefs, aus Holz gearbeitet, wie Bilder an den Wänden hängend, zeigen verschiedene Gebirgszüge aus der näheren Umgebung, präzise nachgebildet mit Säge, Stechbeitel und Farbe. Und präzise sind auch die Titel dieser Arbeiten, zum Beispiel: Irschenberg-Wilpasing – Blick nach Süden, 4.8.19, 12 Uhr.

Neben einer grünen Wiese mit aus Lindenholz geschnitzten und einzeln eingefärbten Grashalmen sind mehrfach Äpfel – aus Holz natürlich – vorhanden, eine Sechserpackung in Styroporschale und in Folie gewickelt, trägt den entmutigenden Titel „Aus Äpfel Amen“. Und wer sich genau umschaut in den Galerieräumen, nimmt die auf dem Boden liegende Installation „an apple a day“ wahr. Für jeden Tag des Jahres hat Regina Marmaglio einen Apfel geschnitzt, jeden Tag die immer wiederkehrende Aufgabe übernommen, dem Lindenholz beharrlich einen Apfel abzuringen.

„Offline“ wurde die Ausstellung betitelt, weil beide Künstlerinnen die Vorstellung vermitteln wollen: Solange sie mit Pinsel und Stift oder mit Säge und Schnitzmesser an ihren Werken arbeiten, sind sie „online“, ist der Arbeitsprozess beendet, kein direkter Kontakt zum Objekt mehr vorhanden, befinden sie sich „offline“.

Die Ausstellung in der Villa Maria ist noch bis zum 15. Dezember Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 08061/92770 zu sehen.

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