Traunstein – Von der ersten bis zur letzten Minute ein herausragendes musikalisches Ereignis war das sinfonische Konzert des Musikkollegiums Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel im Saal der Berufsschule. Auf dem harmonisch abgestimmten Programm standen Werke aus der Romantik.
Super einstudiert,
super Akustik
Zur Einstimmung spielte das Musikkollegium in voller sinfonischer Besetzung mit Streich-, Holz- und Blechblasinstrumenten das „Albumblatt“ von Richard Wagner. Ursprünglich als Dank an die bei Paris lebende Fürstin Metternich für ihre Unterstützung bei der Erstaufführung des „Tannhäuser“ als Klavierstück komponiert, endete die Aufführung damals in einem Theaterskandal. Die spätere Orchestrierung des Albumblattes mit Tannhäuser-Motiven fand jedoch im 19. Jahrhundert großen Anklang, wie auch jetzt in Traunstein. Dank der offenbar hoch disziplinierten Einstudierung und guten Akustik der Aula klangen die Instrumente harmonisch einheitlich zusammen, auch die Blechbläser völlig eingebettet, ohne zu stark hervorzutreten. Absoluter Höhepunkt des Abends war anschließend der Auftritt des inzwischen weltweit gefragten Violinisten Frank Stadler. Beim Konzert für Violine g-Moll, opus 26, 1902 komponiert von Max Bruch, vermochte er seine gesamte virtuose Beherrschung der Violine überwältigend zu demonstrieren: von hauchzarten, engelsgleichen Tönen im Allegro moderato und Adagio bis zu kräftigen, alles überstrahlenden Klängen im Finale Allegro energico. Ein reines Vergnügen zuzuhören und den vollständig in seiner Musik versunkenen Solisten zu beobachten, wobei sich das Orchester nach den klaren Anweisungen des Dirigenten nirgendwo aufdrängte. Frank Stadler, vor rund 45 Jahren in Ruhpolding geboren, hat eine steile Karriere hinter sich. Seit 1999 ist er erster koordinierter Konzertmeister des Mozarteumorchesters Salzburg. Frank Stadler ist Widmungsträger einiger Violinwerke zeitgenössischer Komponisten. Derzeit setzt er sich schwerpunktmäßig mit dem Werk des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg auseinander. Nach dem nicht enden wollenden Applaus im Anschluss an Max Bruchs berühmtes Violinkonzert spielte Stadler als Zugabe ein Stück von Weinberg, der am 8. Dezember dieses Jahres 100 Jahre alt geworden wäre.
Nach der Pause erklang die sogenannte Schottische Sinfonie (Nr. 3 a-Moll opus 56) von Felix Mendelssohn- Bartholdy. In der Ausarbeitung 13 Jahre später vereinen sich Naturschilderung, Schwermut, Leidenschaft, Poesie und Anklänge an die schottische Folklore (besonders im Scherzo, dem zweiten Satz) zu einem romantischen Stimmungsbild. Der erste Satz in Moll, den Mendelssohn in Schottland notierte, ist langsam.
Das Adagio cantabile des dritten Satzes greift zuerst ein variiertes Thema aus dem ersten Satz auf und wird von triumphierenden Bläserakkorden abgelöst. Der vierte Satz, „Finale maestoso. Allegro guerrico“ – mit „kriegerischer“ Anmutung – ist geprägt durch ein markantes Thema, bei dem die eindringlich triumphalen Klänge der Bläser dominieren.
Als der letzte Ton verklungen war, dauerte die Stille nur kurz, der Applaus aber lang. Er verebbte nur langsam. Es passte gut zu dem in sich geschlossenen Konzert, dass auf jede Zugabe verzichtet wurde.