Unterhaltsam, nachdenklich, humorvoll

von Redaktion

Wirtschaftsschule: Martin Piper liest, rezitiert und singt bei Bad Aiblinger Literaturtagen

Bad Aibling – Wenn einer 44 Jahre auf der Bühne steht und mit Engagement für Freiheit, Demokratie, Umweltschutz und Frieden textet, komponiert und singt, dann kommt rückblickend auf die vergangenen Jahre einiges an Stoff zusammen. In diesem Sinne gestaltete der Songpoet und Liedermacher Martin Piper im Rahmen der 32. Bad Aiblinger Literaturtage in der Aula der Wirtschaftsschule Alpenland einen kurzweiligen, unterhaltsamen, aber auch nachdenklichen literarischen Abend.

Vom Lied zum Text zu Karikaturen und Fotos

Kurzweilig war die Veranstaltung auch deshalb, weil Piper immer wieder vom musikalischen Vortag zur Rezitation unterschiedlichster Texte wechselte und seine Darbietung mit passenden Fotografien und Karikaturen veranschaulichte, die auf eine große Leinwand im Hintergrund projiziert wurden. Passend zum jeweiligen Song kamen unterschiedliche Instrumente von einer Konzert-, Western- und E-Gitarre bis zur Mundharmonika und einer Ukulele zum Einsatz.

Vielseitig waren auch die Textsorten und Themen. Seine eigenen Gedichte und Liedkompositionen, die bis in die 70er-Jahre zurückreichten, zeugten dabei von erstaunlicher Aktualität: „Vom Ernst des Lebens“ und einer kritischen Betrachtung spießiger „Anpassung“ über Beziehungskrisen und Probleme eines Drogensüchtigen („Warum?“) bis hin zum politischen Engagement in „Nenn die Namen laut“ reichte das Spektrum und mündete in dem Gedicht „Mensch sein“ von 1990 (!) gar in die Zeile: „Flüchtling sein, das wollt ich nicht“.

Aber nicht nur eigene Texte und Melodien waren angesagt. Auch Pipers große Vorbilder kamen zur Sprache: Von Kurt Tucholsky gab es neben gesellschaftskritischen Gedichten eine satirische Beschreibung der menschlichen Spezies, von Erich Kästner dazu passend das Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ von 1932, das nichts von seiner Aktualität verloren hat, weil die Menschen trotz allen Fortschritts „noch immer die alten Affen“ geblieben seien. Und auch Franz Josef Degenhardts Lied „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ lässt sich nahtlos auf gegenwärtige Zustände übertragen.

Besonders gefielen dem aufmerksamen Publikum auch die Transformationen englischer Hits ins Deutsche. So erklang Joan Baez‘ „Donna Donna“ in einer mitsingbaren Fassung, John Lennons „Imagine“ erschien in der Übersetzung „Wie wär’s“ und Paul McCartneys „Let it be“, die wohl berühmteste musikalische Aufforderung zur Gelassenheit, erschien als „Lass es sein“, jeweils mit eigenen deutschen Texten.

Stilblüten aus dem Deutschunterricht

Witzige Anekdoten und Stilblüten aus dem Deutsch- und Geschichtsunterricht seines 36-jährigen Engagements als Realschullehrer brachte Martin Piper in einem Extrablock mit dem Titel „Lehrermemoiren“. Diese Blütenlese unfreiwilliger Komik konnten die Zuhörer auf der Leinwand mitverfolgen, wenn zum Beispiel der Satz aus einer Arbeit der zehnten Klasse lautete: „…und dann wundern sie sich, dass sie tot sind.“

Mit der Ballade „Wie ein Fels“, einer deutschen Fassung von Simon & Garfunkels „Bridge over Troubled Water“, die Piper seinem siebenjährigen Sohn gewidmet hat, und dem Gedicht „Lebenslauf“ von Erich Kästner als Zugaben endete der vielseitige und unterhaltsame Abend.

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