Oben auf dem Berg oder bei den Beeren?

von Redaktion

Namensgeschichte von Oberpremrain

Wer kennt sie nicht, die brummenden Stechfliegen? Im Hochsommer belästigen sie nicht nur manchen menschlichen Ober- und Unterarm, sondern vor allem unsere Weidetiere. Ob die Brem, Breema oder – norddeutsch – Bremsen auch bei der Familie Ransberger in Unterpremrain, das im südlichen Landkreis Rosenheim oberhalb von Au bei Bad Aibling am Fuße des Eckersberges liegt, eine Rolle spielen? Landwirt Ransberger gibt gleich in zweierlei Hinsicht Auskunft: „Dia Breema haan bsundas aktiv im Juli, August. Grod gnua hamma bei de Leitn und Grosroa. Breemroa kunnt so sein Nam scho vo de Breemara hom!“ Genaueres zum Ortsnamen wisse aber der Nachbar „z‘ Oberpreemroa“. Sowohl Elisabeth Gasteiger als auch ihr Sohn Johann berichten, Premrain habe bis vor gut zehn bis 15 Jahren in offiziellen Dokumenten „Brennrain“ geheißen, obwohl schon der damalige Hofbesitzer Johann Gasteiger in einem Artikel in der Zeitschrift „Der Mangfallgau“ aus dem Jahre 1961 die Örtlichkeit als „Premrain“ bezeichnet habe.

Die Herleitung des Namens von den „Breem“ schließt Johann Gasteiger junior allerdings aus. „Am Berg herom Breem? Eher ned“, argumentiert er und stellt eine Herleitung von den „Braabern“, „Braawan“, Brombeeren zur Diskussion, von denen es hier „jede Menge“ gebe. Er verweist außerdem auf eine alte Schreibung „Brombrhain“. Aber lassen wir die Sprachwissenschaft zu ihrem Recht kommen!

Wie lange es den „Breem“ schon in unserer Sprache gibt, ist für die Deutung des Ortsnamens Premrain durchaus wichtig. Das Wort „Prem“ taucht nämlich schon im Jahre 773 in einer Schenkungsurkunde auf. Im Leitzachtaler Heimatbuch steht: „Im Jahre 773 schenkten Horadunk und sein Sohn Adalunk ihre Gründe zu Premareine der Kirche zu Freising (…)“.

In der wissenschaftlichen „Förstemann-Kartei“ heißt es hierzu „Premareini“, ebenso wie in zwei weiteren Freisinger Urkunden aus den Jahren 807 und 866/875.

Nun, im Althochdeutschen (750 bis 1050) findet sich der Begriff für den Brem tatsächlich schon seit dem achten Jahrhundert, nämlich als prema/brema (weiblich) und als premo/bremo (männlich). Diese Bezeichnung konkurriert aber tatsächlich mit dem Begriff für den Brombeerstrauch, der althochdeutsch teils brama, teils brema lautet, wie es bei Gerhard Köhler in „Althochdeutsch – neuhochdeutsch – lateinisches Wörterbuch“ steht.

Premrain also: Anrein, erhöhter Grenzbereich, der durch viele Bremen, Breema gekennzeichnet ist, oder aber: Anrain mit Brombeersträuchern? Wie wir dem „Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Kluge-Seebold entnehmen können, ist das Brombeerwort brama erst seit dem zehnten Jahrhundert, das Bremwort brema schon seit dem achten Jahrhundert belegt. Und fürs Bairische gibt es wohl nur die Form mit dem Laut a, denn im „Bayerischen Wörterbuch“ von Johann Andreas Schmeller ist für die Brombeere nur brama, nicht brema belegt. Außerdem sind die Brombeeren in unserer Region die Braawan; in der Wortmitte mit hellem a, ohne e. So waren wohl doch die „Breemara“ die Namensgeber von Premareini. Es sei denn, es gibt eine dritte Erklärung. Bremen leitet sich von Brem = Rand her!

Armin Höfer

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