Wasserburg – Zeitgenössische Kunst zum Thema „Schattenwelten“ steht derzeit in der Galerie im Ganserhaus im Mittelpunkt. Der Wasserburger Kunstverein zeigt dort ein bemerkenswertes Spektrum an Arbeiten mit Motiven, die oft als düster und unheimlich erlebt werden können.
Mysteriöse
Geisterwelten
Traditionell gibt der Arbeitskreis 68 für seine Jahresausstellung ein Thema vor. Passend zur dunklen Jahreszeit wurde diesmal der Begriff „Schattenwelten“ gewählt. Entwickelt wurde das dazugehörige Konzept von Christa Bock-Koehler. Die in Prien lebende Künstlerin gestaltet Malerei, Skulpturen und Objekte.
Christa Bock-Koehler summiert mit „Schattenwelten“ eine ganze Reihe mysteriöser Phänomene, die in den unterschiedlichsten Kulturen verankert sind. Dazu zählen neben dem Irrealen wie die jenseitige Geisterwelt auch das antike Schattenreich des Hades oder das Totenreich. In allen drei großen Weltreligionen harren dort die Toten, im Leben einst Gläubige wie Ungläubige, ihrer Bestimmung entgegen. 95 Kunstschaffende haben zu „Schattenwelten“ Malereien, Collagen, Plastiken, Skulpturen und Installationen eingereicht und damit ihre Sichtweise der Erlebniswelt zwischen Licht und Finsternis thematisiert.
Eine Hommage
an den Totentanz
Die Ideengeberin selbst ist mit einer ironischen Installation mit dem Titel „Aufg´spuid wird“ vertreten. Bock-Koehler zeigt einen musizierenden Satyr aus Acrylbeton, den menschliche Schattenwesen umringen. Den Hintergrund dazu bildet ein Bild mit monochromen Gestalten. In ihrer Gesamtheit wirkt die zeitgenössische Komposition wie eine Hommage an den mittelalterlichen Totentanz.
Von der in Soyen und München lebenden Künstlerin PJane alias Petra Jahn stammt „Come as you are“ (Komm so wie du bist), ein großformatiges Frauenporträt, das zwischen Anmut und Grauen changiert. Das Spiegelbild der jungen Dame zeigt, ähnlich wie ein Januskopf, ein skelettartiges Schattengesicht. Assoziationen zu Oscar Wildes Dorian-Gray-Figur oder zum Doppelgängermotiv aus Robert Louis Stevensons Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ sind wohl beabsichtigt.
Mit beindruckender Ästhetik wiederum besticht das Glasobjekt „Arche“ von Ursula-Maren Fitz. Die Bildhauerin, Malerin und Glaskünstlerin kommt aus Waakirchen bei Miesbach. Ihr gläsernes Boot mit einem Kreuz im Inneren und einem Schuh an Deck könnte für die Frage stehen, ob die Menschheit noch zu retten ist.
Bilder verknüpfen
ein Nahtod-Erlebnis
Sehr stimmig zum vorgegebenen Thema positionieren sich auch Karin Schneider-Henn und Helmut Ranftl. Die Arbeit „Schattenfrau“, eine C-Print-Fotografie der Fotokünstlerin Scheider-Henn zeigt einen weiblichen Schatten in einer Galerie. Bei Ranftls „Kleine Fluchten“ durchschreitet eine Figur einen düsteren Korridor, der aus der Dunkelheit ins Licht führt. Visuelle Bilder dieser Art werden oft von Menschen mit einem Nahtod-Erlebnis beschrieben. Etwa zwei Drittel der Betroffenen berichten von einem Zuschreiten auf das Licht. Bereits Hieronymus Bosch malte dieses Phänomen. Derartige Halluzinationen werden von Menschen aller Kulturkreise beschrieben, unabhängig von Religion, Glaube oder atheistischer Weltanschauung.
Insgesamt begegnet den Ausstellungsbesuchern eine Fülle kreativer und ansprechender Ideen, die zumeist auch hochprofessionell umgesetzt wurden. Mal erscheint der Bezug zum Thema „Schattenwelten“ eher subtil, dann wird er wieder überdeutlich. Ein Lichtblick in der Welt der Schatten sind die vielfältigen Arbeiten der Wasserburger Künstlergemeinschaft aber in jedem Fall.