Auch der Gesang kann ein Licht in der Dunkelheit sein

von Redaktion

Aus dem Volksmusikarchiv Die Aktion „Weihnachtslieder selber singen“ und der Klöpfelbrauch

Wir spüren diese dunkle Zeit im Jahr am eigenen Leib und im eigenen Gefühl: Wenn uns im November und Dezember die kurzen Tage mit beginnender Dunkelheit zwischen 5 und 6 Uhr zu erhöhter Aufmerksamkeit im Straßenverkehr nötigen, wenn es regnet und noch kein heller Schnee das spärliche Licht widerspiegelt – dann können wir uns vielleicht vorstellen, wie unsere Vorfahren diese Tage vor Weihnachten begangen haben! Ohne gegenwärtig ausuferndes elektrisches Licht war der Kerzenschein, die Gaslaterne oder das Feuer im Ofen etwas Besonderes.

In einem geistlichen Volkslied wird der christliche Heiland als „Licht der Welt, das die Nacht erhellt“ besungen. Die gemeinsam in dieser vorweihnachtlichen Zeit gesungenen Lieder waren selbst der gefühlte helle Schein in den dunklen Tageszeiten. Davon erzählen uns die älteren Gewährsleute, die Zeitzeugen einer Welt, die wir uns heute nur noch schwer vorstellen können. Rückblickend romantisierend auf der einen Seite und doch gänzlich fehlinterpretiert in unserer reizüberfluteten Welt auf der anderen Seite werden die vorweihnachtlich dunklen Tage als „stade“ Zeit betitelt. Vielleicht geht dieser Begriff auch auf Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ (im Kriegsjahr 1917) zurück, wo es heißt „Im Wald is so stad“? Ein kleines Licht wirkt am stärksten in dunkler Umgebung.

Ein einfaches, gemeinsam gesungenes Lied entfaltet die beste innere Wirkung aus der Stille heraus. Tolerante menschliche Gemeinschaft wissen jene am höchsten zu schätzen, die sonst in Einsamkeit leben.

All das ist schwer zu finden in unserer Welt des Überflusses: Immerwährendes Licht nimmt den Nächten die Ruhepausen, stete musikalische Berieselung ersetzt die Stille und das eigene Singen. Und wir leisten uns den Luxus, Lebensmittel wegzuwerfen und mit Wasser zu prassen.

Jedes Mal bin ich aufs Neue freudig berührt, wenn Menschen jeglichen Alters und aller Schichten erzählen, was ihnen das einfache, gemeinsame und unperfektionierte Singen in Gemeinschaft bedeutet. Es rührt bei Vielen urmenschliche Eigenschaften und Bedürfnisse an. Viele, die es einmal probiert haben, wollen es immer wieder tun, ja manche brauchen es zum Leben. Und so hat es sich ergeben, dass unsere Aktion „Weihnachtslieder selber singen“, die auch auf eine Initiative des OVB zurückgeht, eine so weite Verbreitung gefunden hat.

Bis 23. Dezember auf Plätzen unterwegs

Das 2003 erstmals herausgegebene Liederheft „Alle Jahre wieder“ (Preis 1,50 Euro im Volksmusikarchiv) mit 26 bekannten und weniger bekannten deutschen und bayerischen Advents- und Weihnachtsliedern geht in die 19. Auflage – über 80000 Hefte sind schon in Gebrauch bei Familien und Freundeskreisen, Vereinen oder anderen Singgelegenheiten. In unzähligen Orten Oberbayerns gibt es dieses gemeinsame Singen vor Weihnachten oder an den Festtagen. Selber sind wir alljährlich bis zum 23. Dezember 18- bis 20-mal unterwegs in Oberbayern: in Holzhausen, München, Ebersberg, Wasserburg, Bayersoien, Traunstein, Murnau, Erding, Eichstätt, Waldkraiburg, Mühldorf, Peiting, Prien, Rosenheim, Mietraching, Tandern, Germering-Unterpfaffenhofen und Berchtesgaden – meist auf Straßen oder Plätzen im Freien und ab 18 Uhr. Lichter erhellen das Dunkel und aus der Ruhe und der Stille ertönt das gemeinsame Singen, natürlich und ungekünstelt.

Die dunklen Tage bestimmen auch die Ausformung und die Wirkung mancher alten und neuen Bräuche: Der Reiz vieler (kleiner) Weihnachtsmärkte entsteht auch mit dem „Licht in der Dunkelheit“.

Die Umzüge der Buttenmandl im Berchtesgadener Land, die Besuche von Nikolaus und Krampus, die traditionellen Perchtenläufe im Salzburger Land – oder die Klöpfler an den Donnerstagen im Advent – alles beginnt mit der einbrechenden Dunkelheit und lebt ganz wesentlich vom Licht, das sich durch die Nacht bewegt.

Gerade den im südlichen Oberbayern traditionell sehr verbreiteten Klöpflbrauch mit seinem reichen Liederschatz und das damit verwandte „Frauentragen“ wollen wir bei einem Abend im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern (Krankenhausweg 39, Bruckmühl) am Donnerstag, 12. Dezember, (19 Uhr, Anmeldung über Telefon 08062/5164) näher betrachten – natürlich mit viel praktischem Singen!

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