Amerang – Martina Eisenreich ist mit ihrer Geige und ihren virtuosen Musikerkollegen Christoph Müller-Bombart (Gitarre), Vladislav Cojocaru (Akkordeon), Giorgi Makhoshvili (Kontrabass) sowie Schlagzeuger, Geräuschkünstler und Ehemann Wolfgang Lohmeier ein fester Bestandteil der Schlosskonzerte. Was nicht selbstverständlich ist, denn die dreifache Mutter ist auch als Filmkomponistin äußerst gefragt. Doch Martina Eisenreich bleibt „gechillt“.
Für das vorweihnachtliche Gastspiel in Amerang brachte sie eine Delegation des Kinder- und Jugendchors „Stella Cadente“ aus ihrer Heimatgemeinde Bockhorn (Landkreis Erding) mit. Mit deren Chorleiterin und Gründerin Gertie Angermaier verbindet die charismatische Künstlerin eine langjährige Freundschaft. Für den Auftritt der Vokalisten hatte Schlossherr Ortholf von Crailsheim eigens die etwas niedrigere Konzertbühne aus den 1960er-Jahren revitalisiert, die nun, vor der Hauptbühne aufgestellt, 45 Gesangsbegeisterten im Alter von sieben Jahren bis Ende 20 Platz bot.
Gleich zu Beginn des gut dreistündigen Konzerts im weihnachtlich geschmückten Arkadeninnenhof stellten diese mit ihrer Darbietung von „Leise rieselt der Schnee“ unter Beweis, auf welch hohem künstlerischen Niveau der Chor sich bewegt. Das bekannte Lied wurde von einer Stimme (Antonia Estay-Heyder) gesungen, sanft getragen vom Summen der anderen und dem Instrumentarium des Quintetts.
Sie wolle in dem Konzert auf den Advent einstimmen, führte Martina Eisenreich einleitend an. Eine Zeit, in der es oft gar nicht so „stad“ zuginge. Ein Umstand, dem auch das Programm des Quintetts entsprach, mit einem stimmigen Wechsel von ruhigen und lebhaften Kompositionen nebst bunten Improvisationen, mit Stücken wie „Hexentango mit Kuhglocken“, „Glöckchen-Galopp“, „Mond aus Papier“ oder „Miserlou“. Auch der Chor, der sich in unterschiedlichen Konstellationen präsentierte, beherrschte vom besinnlichen „Es werd scho glei dumpa“, über das berührende „Sanft weht ein Hauch überm Wind“ und das beschwingte „Papierflieger“ (beide aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“) bis hin zum energetischen Gospel „This Little light of Mine“ verschiedenste Gefühlsnuancen. Die programmatische Klammer des gemeinsamen Debüts bestand allein darin, dass es sich bei allen Songs um erklärte Lieblingslieder von Martina Eisenreich handelte.
Ein Abend voller Höhepunkte also, aber auch voller Überraschungen, etwa dem stimmgewaltigen Solo von Jugendchorsängerin Felicitas Loidl, die das Publikum mit dem berühmten afrikanischen Ruf aus Disneys „König der Löwen“ in ihren Bann zog, oder der ekstatische Trommeleinsatz des Gast-Percussionisten Claudio Estay, der nicht nur Solo-Paukist im Bayerischen Staatsorchester ist, sondern auch Vater von Chorkind Antonia.
Eltern werden
eingebunden
Auch Gast-Sopranistin Petra Schreiber, die Webbers „Pie Jesu“ mit Solistinnen des Jugendchors Flügel verlieh, entpuppte sich als Chormutter. „Wir arbeiten hier nach dem Montessori-Prinzip: Bei uns werden die Eltern miteingebunden. Mein Vater hat die Plakate verschickt“, scherzte Martina Eisenreich, die sichtbar stolz war auf „ihren“ Chor, der ihr, mit Verlaub, nicht nur die Sicht, sondern auch ein wenig die Schau gestohlen hat.
Angela Pillatzki