Sachrang – Beim Adventskonzert in der voll besetzten Sachranger Pfarrkirche St. Michael kamen die Zuhörer in den Genuss der „staden Zeit“ – stad hier aber nicht als wahrgenommene Stille, sondern im ursprünglichen Sinne, als Zeit der meditativen Einkehr und des bewussten Zuhörens.
Bambuslängsflöte mit
beinahe heiserem Ton
Impressaria Margit-Anna Süß hatte aus den zwei Themen „Aus der Dunkelheit ins Licht“ und „vom Sündenfall Adams und Evas hin zur Ankunft Emanuels“ ein musikalisches Schauspiel zusammengestellt, das facetten- und geistreich und durch kleine Besetzungen mit kammermusikalischem Charakter bestechend für die innere Einkehr sorgte.
Die kontemplativen japanischen Weisen für Harfe und japanische Flöte (perfekt im Zusammenspiel Hitomi Ishimaru und Kanaki Sada) zum Auftakt und zum Ausklang setzten den äußeren Rahmen für die musikalische und mit Worten und Schauspiel untermalte Adventsstunde. Die Shakuhachi, die Bambuslängsflöte, die nicht über ein Mundstück, sondern über eine als Anblaskante dienende Einkerbung angeblasen wird, mit ihrem weichen, beinahe heiseren Klang, dazu der liebliche Ton der Harfen sowie der füllig-warme Klang der Hörner woben zusammen mit dem Mix aus japanischen Weisen, alpenländischen alten Melodien und Barock-Werken einen samtenen Klangteppich, auf dem sich wunderbar in sich kehren ließ. Da passte denn auch das a-cappella-Gesangsquartett perfekt dazu. Sauber intonierend und artikulierend glänzten Martina Bindl, Sopran, Michaela Unterseher, Alt, Rupert Schäfer, Tenor, und Martin Hörberg, Bass, mit dem gregorianischen Introitus zum Advent „Ad te levavi animam meam, Deus meus, in te confido“ (Zu dir erhob ich meine Seele. Mein Gott, auf dich vertraue ich) und dem Adventslied „Macht hoch die Tür.“ Die Hörner (Maximilian Schellenberger, Noe Lehmann und Paul Pietzek) spielten von der Empore herab drei Stücke aus Anton Reichas (1770 bis 1836) 24 Horntrios op 82.
Nicht minder ergreifend gelang dem Trio der „Marsch der Priester“ (aus W.A. Mozarts (1756 bis 1791) Oper Zauberflöte). Norea Nettekoven (Harfe) und Johannes Mayer (Hackbrett) bestachen ebenfalls mit Brillanz und schönem Zusammenspiel.
Kirche zunächst abgedunkelt
Nicht minder ergreifend gestalteten die beiden Harfenspielerinnen Norea und Hitomi Ishimaru die Ankunft der „Königin von Saba“ (aus G.F Händels (1685-1759) Oratorium „Salomon“). Passend zum Konzerttitel „Advent in der Stille“ war die barocke Kirche anfangs abgedunkelt. Sprecher Peter Weiß zeichnete vor den Augen der Zuhörer die Schöpfungsgeschichte nach: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Wie Adam (Johannes Mayer) und Eva (Norea Nettekoven) im Paradies erst zufrieden lebten, ehe sie – vom Teufel (Maximilian Schellenberger) verführt – vom Baum der verbotenen Früchte (ein Tannenbaum mit roten Äpfeln) naschten und aus dem Paradies vertrieben wurden, das war grandioses Sachranger Paradebeispiel.
Der Betroffenheit folgte Trost, der auch sichtbar wurde. Die junge Aurelia Noichl trug, „In Nacht und Dunkelheit“ singend, eine Kerze herein und entzündete die erste Kerze am Adventskranz.
„Und groß ist die Sehnsucht der Menschheit nach dem Messiah, dem Propheten“, mit diesen Worten leitete Weiß zur Ankunft Emanuels über. Worte und Musik waren folgerichtig inszeniert und großartig ineinanderübergehend. Solche Momente bräuchte es in unserer nicht so „staden Zeit“ öfter.