Duftige Klavier-Triller und eine singende Violine

von Redaktion

Ausdruckstiefe und melodische Kantabilität – Trio Wanderer gastiert in Neubeuern

Neubeuern – Mit Klaviertrios von Haydn, Beethoven und Ravel begeisterte das renommierte französische „Trio Wanderer“ das Publikum bei den Schlosskonzerten in Neubeuern. Vincent Coq (Klavier), Jean-Marc Phillips-Varjabédian (Violine) und Raphael Pidoux (Violoncello) verbindet technische Brillanz, große musikalische Sensibilität und ein perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel.

Das zweisätzige es-Moll Klaviertrio XV/31 von Joseph Haydn interpretierten die Musiker mit spielerischer Leichtigkeit und Präzision. Berührten im Andante lebhafte Klavierläufe, mannigfaltige Variationen und eine melodische Kantabilität, bestach das Allegro hingegen durch unbeschwerte Heiterkeit.

Höhepunkt des Abends war Beethovens berühmtes „Erzherzogtrio“ opus 97 in B-Dur, in dem der Komponist noch einmal genial sämtliche Errungenschaften dieser Gattung vorstellt. Voller schlichter Schönheit erklang im Allegro moderato das Kopfmotiv des Hauptthemas, das von einem tänzerisch anmutenden und einem emphatischen Thema ergänzt wird. Die kristalline Klarheit und duftigen Triller des Klaviers, die singende Violine und die Herbheit des Cellos berührten die Hörer.

Das rhythmisierte ansteigende Tonleiterthema im Scherzo spielte das Trio Wanderer mit einfühlsamer Eleganz. Große Geschmeidigkeit und Ausdruckstiefe besaß das Andante cantabile, in dem die Musiker bewusst Pausen setzten und die Töne immer wieder geisterhaft ausklangen. Beschwingtheit und Fröhlichkeit strahlte schließlich das trillerdurchsetzte Presto aus, das vom Trio Wanderer mit großer Leidenschaft zu Gehör gebracht wurde.

Maurice Ravels Klaviertrio in a-Moll stand zu Beethoven in einem aufwühlenden Kontrast. Das 1914 komponierte Werk zeichnet sich durch rhythmische Raffinesse und eine große musikalische Dichte aus. Nach dem kraftvoll gespielten Eröffnungssatz und dem „Pantoum“, dessen Name aus einer malaiischen Dichtung stammt, folgte eine elegisch verschattete Passacaille. Das Finale interpretierte das Trio Wanderer mit Emphase und drängender Dramatik.

Für den lebhaften und anhaltenden Beifall bedankten sich die drei französischen Musiker noch mit dem nicht ganz zur Jahreszeit passenden Stück „Of a spring Morning“ von Lili Boulanger und dem zündenden Presto aus Haydns „Zigeunertrio.“Georg Füchtner

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