Stehende Ovationen für Mozarts Requiem

von Redaktion

Chor an der Erlöserkirche mit einer tief bewegenden Aufführung

Rosenheim – Der Chor an der Erlöserkirche Rosenheim begeisterte bei seinem Jahreshöhepunkt mit dem Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart in der dicht an dicht besetzten Erlöserkirche. Er führte unter Begleitung des Seraphin-Ensembles (München) das legendenumwobene „Requiem“ (Totenmesse) von Wolfgang Amadeus Mozart in der Fassung von Franz Xaver Süßmayr auf. Über 100 Mitwirkende und 300 Zuhörer bildeten den Rahmen für eine außergewöhnliche und emotional bewegende Aufführung des Requiems.

Chor ist der
Hauptakteur

Der Chor präsentierte sich mit exakt 80 Mitgliedern bestens eingestellt, um dem anspruchsvollen Werk gerecht zu werden. Denn im Gegensatz zu anderen Werken der Chorsinfonik ist bei Mozarts Requiem der Chor der musikalische Hauptakteur. Nach dem gravitätisch, einem Trauermarsch ähnlich dahinschreitenden „Introitus“, folgte die Chorfuge „Kyrie eleison“, die vom Chor dank dynamischer Differenzierung und dezenter Posaunen außerordentlich durchhörbar erklang. Erfreulich viele Männerstimmen bescherten eine ausgewogene Klangbalance und brachten dies, wie etwa beim „Confutatis“, ausdrucksstark zur Geltung. Dass auch ein großer Oratorienchor erstaunlich differenziert in Dynamik und im Ausdruck nuancenreich klingen kann, stellte der Chor auch beim „Domine Jesu Christe“ mit der Fuge „Quam olim Abrahae“ unter Beweis. Das mit namhaften Musikern aus den Münchner Spitzenorchestern besetzte Seraphin-Ensemble spielte unter Konzertmeister Winfried Grabe mit Virtuosität, Spielfreude und Transparenz. Dabei war es stets „dienstbarer Knecht“ des Chores und wusste ob seiner begleitenden Funktion: Der Chor konnte sich in jeder Dynamik über den Orchesterklang hinwegsetzen, was auch an der klaren Zeichengebung von Dekanatskantor Johannes Eppelein lag. Im ausgewogen besetzten Solistenquartett wusste vor allem Nachwuchs-Tenor Magnus Dietrich zu begeistern, dessen „Mors stupebit“ („Der Tod wird erschauern“) im „Tuba mirum“, dem zweiten Satz der Sequenz, wie ein Pfeil durch die Kirche fuhr. Mit glockenklarem Sopran sang sich Sopranistin Flore Van Meerssche beim „Recordare“ in die Herzen der Zuhörer. Die Ensemble-Stellen erhielten ihr stabiles Fundament von Bass Martin Burgmair, ergänzt vom warmen Alt von Nathalie Flessa.

Eppelein führte Chor, Solisten und Orchester mit großer Übersicht, ausdrucksstark und tief emotional durch das Werk. Dabei fand er für die langsamen Sätze kontemplative Tempi, die den schwermütigen Charakter der Musik unterstrichen, während der Chor und Orchester in mitunter furiosen Tempi durch die anspruchsvollen Fugen scheuchte. Ein Höhepunkt: Bei der Interpretation von „Dies irae“ tat sich in haarsträubender Geschwindigkeit und mittels zahlreicher Forte-Piano-Effekte dem Hörer buchstäblich der Abgrund auf mit dem Blick auf die ewige Verdammnis im Höllenfeuer. Beim sechsten Satz der Sequenz, das „Lacrimosa“, entlockte Eppelein dem Chor nach dem demütigen-flehenden Beginn in der Bitte „Dona eis requiem“ („Gib ihnen Ruhe“) eine geradezu markerschütternde Kraft.

Nach dem letzten Akkord der „Cum sanctis tuis“-Fuge mahnte Glockengeläut zum Gedenken der Verstorbenen, bevor sich fulminanter Applaus und stehende Ovationen Bahn brachen.

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