Rosenheim – Der in Moskau geborene und in New York City lebende Jazztrompeter Valery Ponomarev war einst Mitglied in einer der bedeutendsten Hard-Bop-Formationen, den Jazz-Messengern um den Schlagzeuger Art Blakey (1919 bis 1990), wie es der Berichterstatter vor 39 Jahren im Münchner Jazzclub „Domicile“ erleben durfte. Jetzt gab der 76-jährige Trompeter mit seinem internationalen Quintett „Forever Art“ zum 100. Geburtstag des genialen Schlagzeugers ein Konzert im Rosenheimer Le Pirate.
Mit dem melancholischen Standard „If I Should Lose You“ begann ein atmosphärischer Jazzabend, bei dem Ponomarev durch seine immer noch musikalische und technische Genialität überzeugte: Ein klarer, warmer Ton, eine authentische Bebop-Phrasierung, ein sicheres Timing auch bei schnellsten Tempi. Ihm zur Seite stand der österreichische Tenorsaxofonist Fabio Deviligi, mit seinen 23 Jahren der Jüngste in der Band. Auch er ein genialer Improvisator, der alle Register des modernen Saxofonspiels vom elegant-luftigen Sound bis zum ekstatischen Aufschrei zog. Sonny Rollins‘ schnelle Blues-Komposition „Tenor-Madness“ kam da seiner dynamischen Spielweise sehr entgegen.
Aus Spanien mit dabei waren der zuverlässig swingende und melodiös improvisierende Bassist Ignasi Gonzales sowie der sparsam und geschmackvoll Akzente setzende Pianist Lluis Capdevila. Die ehrenvolle Aufgabe, die Rolle Art Blakeys zu übernehmen, kam dem österreichischen Drummer Joris Dudli zu. Mit Energie puschte er die Solisten und unterstützte sie mit gezielten Betonungen und Breaks oder begleitete Balladen wie Bob Haggarts „What’s New“ mit dezenter Besenarbeit.
Im Vordergrund standen Stücke aus dem Repertoire Art Blakeys, zu denen Ponomarev betonte, ein „Jazz-Messenger“ zu sein. Zu diesen Blakey-Stücken zählte unter anderem Benny Golsons „Along Came Betty“ mit seinen ungewöhnlichen Akkordfolgen oder der allseits bekannte Hit „Love For Sale“ von Cole Porter.
Auch eigene Stücke waren zu hören, die im Hard-Bop-Stil den Geist Art Blakeys beschworen, so etwa Valery Ponomarevs „For Better Or Worse“ im Boogaloo-Rhythmus und seine Komposition „Gina’s Cooking“, die mit ihrem Tempo- und Taktwechsel gefiel. Joris Dudlis Stück „Art“ war direkt dem Großmeister gewidmet und vereinigte einige Stilmerkmale von Art Blakeys Spielweise von der soulig-bluesigen Melodik über den archaisch voranschreitenden Rhythmus bis hin zur kontrastreichen Dynamik. Selbstredend, dass hier Dudli auch mit einem Solo glänzte. Es war abzusehen, dass das Konzert nach der offiziellen Schlussnummer, einem im Höllentempo vorgetragenen „Theme“ auf der Basis von Rhythm-Changes, noch nicht zu Ende war. Mit „Blues March“ von Benny Golson, verabschiedete sich das Quintett.Richard Prechtl