Adventsmeditation mit Jazz und Worten

von Redaktion

In der Nikolauskirche dominieren Sterne, Rilke, Busch und de Saint-Exupéry

Rosenheim – Ganz abgedunkelt war die voll besetzte Rosenheimer Nikolauskirche bei der Adventsmeditation, die der Rotary-Club Innstadt veranstaltete. Das Jazztrio „Prisma“ (Hubert Huber am Klavier, Klaus G. Förg am Bass, Michael Keul am Schlagzeug) verjazzte Advents- und Weihnachtslieder, Stadtpfarrer Andreas M. Zach steuerte Texte bei.

Sein Thema waren an diesem Abend die Sterne, als Leuchten in der Finsternis, als Orientierung und als Himmelszeichen, er zitierte dabei Rainer Maria Rilke, Antoine de Saint-Exupéry und Wilhelm Busch.

Die Verjazzungen von Hubert Huber sind ein musikästhetischer Genuss mit ihrer ausgefeilten, von Bach inspirierten Kontrapunktik, ihrer reizvollen Rhythmik und ihrer überraschungsreichen Harmonik. In das einleitende „Autumn Leaves“ schlichen sich die Musiker geradezu hinein, bis sie sanft zu swingen begannen, ein Perchtentanz kam zuerst wie ein leis´ drohender Marsch im Dunkeln daher, fröhlich wurde es mit einem italienischen Weihnachtslied, thematisch folgerichtig ließ das Trio einen Stern und den „Morgenstern der finstern Nacht“ aufgehen.

Ein feines Gespinst von Akkorden

Bei der Bearbeitung des „Es werd scho glei dumpa“ war die Bearbeitungskunst von Hubert Huber zu bewundern: Was er da an Modulationsmöglichkeiten im Wechsel von Moll und Dur bis zum Trugschluss verwendet, wie er das Lied in ein feines Gespinst von Septakkorden einhüllt, wie er eine stete Drehleier-Begleitung, eine Art Rundtanz und noch ein Marienwiegenlied einbaut und wie er den Dreiertakt in einen swingenden Zweiertakt und in eine Triolenbewegung auflöst, ist wunderbar.

Mit der „Air“ von Bach, mit feinem Glockenton von Hubers Clavinova, beschloss das Trio die Mediationsstunde: Dies brauchte nicht mehr verjazzt zu werden, Bach war da reiner Jazz. Der Bass von Klaus G. Förg war bei diesen Bearbeitungen ziemlich zurückhaltend, das Schlagzeug hatte da mehr Möglichkeiten, aber auch Michael Keul hielt sich dienlich zurück und verwendete oft den schleichenden Besen. Auf der CD, von der diese Stücke stammen, hört man mehr von ihm, da gibt es noch mehr verjazzte Lieder: Da singt ein „Klöpfiliad“ aus Oberbayern zuerst im fröhlichen Walzer- und dann im beswingten Viertakt.

Bei „Es kommt ein Schiff geladen“ gibt die Trommel anfangs den Takt für die Rudermannschaft, Maria geht nicht nur durch einen Dorn-, sondern auch dichten Harmoniewald, „Heißa, Buama, stehts gschwind auf!“ kommt im flotten Marschtakt daher und endlich gibt’s ein kleines Bass-Solo dabei.

Oft klingt Hubers Klavierspiel wie der verjazzte Bach von Jacques Loussier. Überhaupt wirkt dieser Adventsjazz auf der CD wesentlich besser als in der halligen Kirchenakustik. Wer die pappsüßen Weihnachtsschlager satthat, aber nicht gleich zur Rock-Weihnachts-CD der „Roten Rosen“ greifen will, liegt mit dieser CD goldrichtig. Die CD gibt es für 15 Euro im Pfarramt St. Nikolaus, im Gartencenter Rosenheim, im Rosenheimer Verlagshaus (Am Stocket 12, Rosenheim) und bei Bücher Meindl, Brannenburg. Der Erlös geht an den Rosenheimer Vincentius-Verein und an die Aktion für das Leben.

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